Ende gut, alles gut: Der S-Bahn-Ausbau in Dresden

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So mancher Pendler wird hörbar aufatmen: Am 20. März endet der Ausbau der S-Bahn zwischen Pirna, Dresden und Meißen. Dann heißt es: weniger Aushänge, Ausfälle und Ausnahmen vom Standard-Fahrplan.

Von Christian Schlemper

Begonnen hat die Baugeschichte in den Jahren nach der politischen Wende. Der Aufbau der Bahn-Infrastruktur zwischen Pirna, Dresden und Coswig sowie zwischen Meißen und Meißen-Triebischtal stellt eigentlich „nur“ den Zustand wieder her, wie er bis Ende des 2. Weltkrieges schon bestand. Ein klitzekleiner Unterschied besteht zwischen Dresden Neustadt und Radebeul West nur bei der Nutzung. Während früher die Gleise für den Nahverkehr in beiden Richtungen außen lagen, liegen sie, als S-Bahn-Gleise, jetzt auf der nördlichen Seite. Der gesamte Bau wird von Bund und dem Freistaat Sachsen finanziert. Eine kleine Randnotiz sei hier gestattet: Entgegen dem häufig üblichen Überschreiten der geplanten Kosten, man denke zum Beispiel an einen Flughafen, liegt der Ausbau der S-Bahn fast völlig im Plan. Bisher lagen die Abweichungen bei zwei Prozent – bei einem Bauprojekt dieser Größe ist das wirklich selten.

S-Bahnhof Meißen Altstadt
Haltepunkt Freiberger Straße, Dresden

Seit Baubeginn gibt es einen Arbeitskreis von Bund, Land und der Deutschen Bahn, der regelmäßig tagt, um den aktuellen Stand zu besprechen, Planungen zu aktualisieren und das große Projekt weiter voranzutreiben. Seit 1998, dem Jahr in dem wir für den Eisenbahnverkehr zuständig wurden, sitzt auch der VVO mit in dieser Runde.

Durch uns wurden die neuen Halte Dresden Bischofsplatz und Meißen Altstadt nachtäglich mit in das Projekt aufgenommen. Außerdem konnten wir gemeinsam ein paar praktische Änderungen erreichen: die Station Dresden Reick wurde für kurze Umstiege über die Lohrmannstraße verlegt, der Bahnsteig in Dresden Trachau wurde Richtung Westen verschoben und die Stationen Freiberger Straße sowie Bischofsplatz erhielten jeweils zwei Zugänge.

Hauptbahnhof Dresden

In vielen einzelnen Bauabschnitten wurde das Projekt nach und nach umgesetzt. Seit 2003 sind die Gleise bis Pirna fertig. In Dresden selber sind die auffälligsten Veränderungen die beiden großen Bahnhöfe: Neben den Gebäuden selber wurden rundherum Gleise und Weichen erneuert und an ein modernes Elektronisches Stellwerk angeschlossen.

Alleine zwischen Dresden-Neustadt und Coswig, der Abschnitt der nun fertig wird, wurden sieben Stationen erneuert und 22 Brücken und Unterführungen komplett neu errichtet.

Auch beim Bau wurde der VVO wieder tätig: Um eine einheitliche Qualität sicherzustellen, finanzierten wir unter anderem längere Bahnsteigdächer und moderne Fahrgastinformationsanlagen. Rund um die Bahnhöfe, wie etwa in Neusörnewitz entstanden gemeinsam mit den Gemeinden moderne Park+Ride-Anlagen.

Nun ist es also geschafft und es ist an uns, danke zu sagen:

den Geldgebern, den Bauleuten, den ganzen Verantwortlichen und vor allem Ihnen, den Fahrgästen, die jahrelang Umleitungen und Umwege in Kauf genommen haben. Dankeschön für Ihre Geduld – und wir hoffen, Sie freuen sich mit uns über das Ergebnis.


6 Kommentare

  1. Stephan

    Letztendlich doch eine tolle Leistung.
    Ohne Viertelstundentakt allerdings sind die Investitionen fragwürdig… aber das ist ja wohl noch nicht ganz vom Tisch.
    Was mir auffällt: Die neuen Stationen (zum Beispiel die am Bischofsplatz) sind in Ihrer Gestaltung sehr eintönig, Aufgänge und Durchgänge reine Betontristesse – und lassen speziell abends/nachts bei der grellen Beleuchtung über Industrie-Standartlampen jedes Flair vermissen. Wenn dann noch (ich zähle die Tage) die Betonwände vollgeschmiert sind, ist die Tristesse endgültig da. Dieser Haltepunkt direkt neben Wohnhäusern wirkt wie ein riesiger Fremdkörper. Gibt es, angesichts der ausgegebenen Millionen, nicht auch hierfür kreative Ideen oder ein paar wenige finanzielle Mittel? Vor 100 Jahren war dies möglich, siehe die Haltestellen aus dieser Zeit…

    1. Christian Schlemper

      Hallo Stephan, auch wir fanden den vielen Sichtbeton recht dröge. Daher haben wir am Bischofsplatz zusammen mit Sprayern aus der Neustadt und dank der Genehmigung durch die DB Station & Service AG eine bunte Gestaltung umgesetzt. Viele Grüße,

  2. Lars Müller

    Stimmen Presseberichte, wonach zwar eintausend Millionen Euro in den viergleisigen Ausbau der Strecke zwischen Radebeul und Pirna investiert wurden, die S-Bahn jedoch (wie vorher auf zwei Gleisen gemeinsam mit dem Fernverkehr) den Halbstundentakt beibehalten muss, weil das Geld für zusätzliche Bahnen für den Viertelstundentakt fehlt?

    1. Sandra Petzold

      Hallo Lars Müller, Hintergrund für das Nicht-Bestellen ist die unsichere Finanzierung des sächsischen Eisenbahnverkehrs in der Zukunft. Im Herbst vergangenen Jahres haben sich Bund und Länder auf eine Umverteilung der sogenannten Regionalisierungsmittel geeinigt. Diese Mittel, derzeit rund 7,5 Milliarden Euro pro Jahr, werden vom Bund an die Länder ausgegeben, um den Betrieb von Regionalzügen und S-Bahnen zu finanzieren. Auf Basis von Einwohnerzahlen und bisherigen Verkehrsvolumen erhalten Ballungsräume wie der Großraum Hamburg oder das Rhein-Main-Gebiet zukünftig mehr Geld, Bundesländer mit weniger Einwohnern müssen mit weniger Geld auskommen. Sachsen droht in Folge dieser Umverteilung, rund 25 Prozent der bisher zur Verfügung stehenden Mittel zu verlieren.

      Diese Umverteilung wird sich ab 2019 auch im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) bemerkbar machen: Das jetzige Leistungsvolumen übersteigt dann die zur Verfügung stehenden Mittel. Sollte es zu den Kürzungen kommen, werden wir regionale Bahnstrecken stilllegen müssen. Vor diesem Hintergrund können wir derzeit keinen langfristigen Vertrag mit der DB Regio AG über einen dichteren Takt abschließen. Viele Grüße

  3. Leo Kutzschbauch

    Aktuell geht es ja um einen Viertelstundentakt zwischen Meissen und Dresden morgens und nachmittags. Warum ist es nicht möglich die S1 alle 20 min. fahren zu lassen (länger).
    Vielen Dank

    1. Christian Schlemper

      Hallo Herr Kutzschbauch,

      im Rahmen der umfangreichen Untersuchungen zum Betriebskonzept der S-Bahn Dresden, die gemeinsam durch TU Dresden, DB AG und VVO vorgenommen wurden, ist auch der 20-Min-Takt im S-Bahn System hinreichend untersucht worden. Seine Einführung würde umfangreiche Fahrplanänderungen bis nach Ostsachsen nach sich ziehen. Und das nicht nur im SPNV sondern durch die enge Verknüpfung auch auf den Regionalbusverkehr. Die Beibehaltung des 30 min Taktes ermöglicht den Betrieb der S-Bahn Verstärker ohne Veränderung des bestehenden Fahrplangefüges im VVO. Die Betriebszeiten decken die Nachfragespitzen ausreichend ab.

      Die Planungen zur S-Bahn Dresden sahen einen verdichteten Takt auch nur in den Hauptverkehrszeiten vor. Eine Umstellung auf einen ganztägigen 20-Minuten Takt würde ungeachtet der im vorigen Abschnitt erläuterten Dinge auch kostenseitig nicht darstellbar sein und am Bedarf vorbei gehen.

      Viele Grüße

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