Von Wandern bis Weinfest: Wie wir mehr Räder rollen lassen

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Kaum sprießen im Frühling die Knospen, tauchen sie wieder auf: Die gemeinen Wanderer. Gern in großen Gruppen bevölkern sie dann, vor allem sonntags, die S-Bahn und machen sich auf ins Grüne. Dazu noch ein paar Familien, Studenten, Touristen und eine Oma, die mit ihren Enkeln in den Zoo will und schwupps, ist der Zug voll.

Von Christian Schlemper

Daher bestellt der VVO für die Sonntage in der Sommersaison mehr Züge auf der S-Bahn S 1. Ein Zug fährt 9.50 Uhr vom Dresdner Hauptbahnhof nach Schöna, der zweite setzt sich 10.20 Uhr elbaufwärts in Bewegung. Nachmittags verlassen die zusätzlichen Züge Schöna um 16.50 Uhr und 17.50 Uhr und sind nach 56 Minuten wieder in der Landeshauptstadt. So gibt es statt knapp 1.000 Plätze pro Stunde dann 1.500 Sitze zwischen Dresden und der Sächsischen Schweiz. Und natürlich mehr Platz für Fahrräder und Kinderwagen. Außerdem fährt an Samstagen ein Zug des Saxonia-Express‘ aus Leipzig früh direkt bis Bad Schandau und nachmittags zurück.

S-Bahn S1 bei Festung Königstein

Bezahlt werden die Züge, neben ihrem Fahrgeld, auch von uns. Nun könnte man denken, dass uns das besonders teuer zu stehen kommt, weil Zusätzliches ja häufig mehr kostet. So wie ein „Extra“ an einem Auto. Diese Züge sind aber bereits Teil der Verträge, die wir mit den Bahngesellschaften haben. Schon als wir den Verkehrsvertrag zur S-Bahn Dresden geschlossen haben, wusste die DB, dass sie sonntags diese Züge fahren muss und konnte das einplanen: Schließlich kann der Zug Sonntag dann nicht in die Werkstatt und mehr Lokführer und Schaffner braucht die DB dann auch. So kommt es, dass wir für die zusätzlichen Züge den gleichen Zuschuss zahlen, wie für alle anderen Fahrten im Dresdner S-Bahn-Netz.

Besonders wirtschaftlich: Die Wagen für die extra S-Bahnen kommen von der S-Bahn S 2, die sonntags nur bis zum Hauptbahnhof fährt und daher weniger Züge benötigt. So steht das teure Material nicht rum, sondern bringt Wanderer, Oma mit Enkel, Touristen und alle anderen fix ins Grüne.

Bei Weinfesten oder großen Konzerten fahren ja auch oft mehr Züge, aber in diesen Fällen bezahlen wir dafür das oben erwähnte „Extra“ – jedenfalls indirekt.

Nehmen wir uns einmal drei beliebte Beispiele:
Ein lautes, ein süßes und ein weinseliges.

Als die Rockband AC/DC in Dresden spielte, haben wir für die Heimfahrt der Fans extra Züge nach Riesa bestellt. Das machen wir zum einen, weil wir sicher sind, dass es genug Fans gibt, die mit dem Zug hin- und zurück fahren. Andererseits hat der Veranstalter, um ein großes Parkchaos zu verhindern, mit dem VVO ein KombiTicket ausgehandelt. Letzteres hilft uns, die zusätzlichen Züge zu bezahlen. Da ja 2010, als wir zum Beispiel den Verkehrsvertrag für die Saxonia-Linie verhandelt haben, nicht klar war, dass AC/DC mal nach Dresden kommen, waren die extra Fahrten nach Riesa natürlich nicht kalkuliert. In solchen Fällen fragen wir die Unternehmen an, zu welchen Bedingungen sie für uns fahren können.

S-Bahn S1 auf der Elbbrücke in Meißen
SB 34 am Haltepunkt Pulsnitz

Ähnlich verhält es sich zum Pfefferkuchenmarkt in Pulsnitz oder zu den Weinfesten in Radebeul und Meißen. Aus der Erfahrung wissen wir, dass die angebotenen Züge nicht ausreichen beziehungsweise ein paar nächtliche Heimfahrten eine feine Sache wären. Schließlich soll sich ja niemand mehr ans Steuer setzen müssen, wenn er schon etwas getrunken hat.

Wir fragen also die Unternehmen an, prüfen die Angebote und beauftragen dann die Fahrten. Bestimmte Faktoren machen solche Fahrten etwas teurer, wie die Zulagen für den Lokführer. Die Abrechnung erfolgt dann mit dem nächsten Monats-Abschlag.

 

 

 

Und hier kommen uns Streiks, Unwetter oder andere Störungen zu Gute: Manchmal fallen ja Züge aus und werden daher von uns nicht bezahlt. Aus diesem Topf an gespartem Geld bezahlen wir dann zusätzliche Angebote. Wenn Sie also das nächste Mal an einer Bahnsteigkante stehen und der Zug fällt aus, denken Sie einfach an Pfefferkuchen, Wein oder ein richtig großes Konzert und freuen sich, dass Sie dann wieder heimkommen.


2 Kommentare

  1. Druck-Service

    In den letzten Jahren war es guter Brauch, aufgrund der höheren Nachfrage im Frühjahr die Züge der S1 um einen fünften Doppelstockwagen zu verstärken. Dieses Jahr fahren die Züge jedoch nur mit vier Wagen. Warum verzichtet man auf den fünften Wagen? Oder werden diese noch zu einem späteren Zeitpunkt verstärkt?

    1. Christian Schlemper

      Hallo Druck-Service, auch in diesem Jahr folgen wir dem guten Brauch. Der fünfte Wagen war an den Zügen der S 1 über die Osterfeiertage im Einsatz. Der nächste Einsatzzeitraum startet zum VVO Oberelbe-Marathon am 24. April und endet nach Pfingsten. Da dieses Jahr die Lücke zwischen den Feiertagen recht groß war, werden die Wagen nicht durchgängig eingesetzt. Viele Grüße,

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