Eisenbahnstrecken im Portrait: Der Saxonia-Express RE 50

| 6 Kommentare
Kategorie: Was noch? | Stichwörter:

Die Strecke zwischen Leipzig und Dresden hat Eisenbahngeschichte geschrieben:
1839 wurde hier die erste deutsche Fernbahnverbindung eröffnet, und befahren wurde sie von keiner Geringeren als der „Saxonia“.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Auf der Strecke Leipzig - Dresden sind derzeit triebwagen vom Typ Talent 2 unterwegs.

Auf der Strecke Leipzig – Dresden sind derzeit Triebwagen vom Typ Talent 2 unterwegs.

Johann Andreas Schubert hatte diese erste in Deutschland produzierte Lokomotive konstruiert. Kein Wunder also, dass die große Tradition hochgehalten und die Verbindung heute auch Saxonia-
Express“ genannt wird.

Nach dem privat finanzierten Start verkauften die Aktionäre den Betrieb 1876 an die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen, die 1920 in der neu gegründeten Deutschen Reichsbahn aufgingen. Einen schweren Rückschlag erlitt die bis dahin florierende Hauptstrecke nach dem Zweiten Weltkrieg: Als Reparationsleistung an die Sowjetunion wurde das zweite Gleis abgebaut, was die Leistungsfähigkeit stark reduzierte und dazu zwang, in Richtung Leipzig über Meißen und Döbeln zu fahren.

Bis 1967 war die Zweigleisigkeit wiederhergestellt, 1970 wurde die Elektrifizierung abgeschlossen. Mit knapp 70 Minuten (bei nur einem Halt) erreichten die Züge damals die kürzeste planmäßige Fahrzeit in der Streckengeschichte – was wegen zunehmender Mängel am Oberbau nur wenige Jahre so blieb. Nach der Wiedervereinigung galt die Strecke als eine der meistbefahrenen in Deutschland, aber auch als dringend sanierungs- und modernisierungsbedürftig. Viele Pläne wurden aufgestellt und wieder verworfen, ehe der Ausbau stufenweise in Angriff genommen wurde.

Neben Schnellzügen sind zwischen Leipzig und Dresden seit jeher Personenzüge unterwegs, die auch in den kleineren Orten halten und früher mitunter nur Teilstrecken befuhren. Zum Fahrplanwechsel 2000 entstand aus dem RegionalExpress RE 5 (Dresden – Coswig – Riesa – Oschatz – Wurzen – Leipzig) sowie den Regionalbahnen RB 79 (Dresden – Cossebaude – Riesa)
und RB 112 (Riesa – Wurzen) der StadtExpress SE 50. Dieses neue Produkt sollte generell stündlich verkehren und außerhalb der S-Bahn-Systeme überall halten. Bereits 2001 verschwand die Bezeichnung jedoch wieder, und aus dem SE 50 wurde der RE 50 oder Saxonia-Express.

Den betrieb die Deutsche Bahn lange mit Doppelstockwagen, ehe 2012 die modernen Triebwagen vom Typ Talent 2 an den Start gingen. Mit diesen barrierefreien, klimatisierten,  energiesparenden und spurtstarken Fahrzeugen konnte die Reisezeit auf aktuell 96 Minuten gesenkt werden. Zudem können je nach Nachfrage drei- und fünfteilige Varianten einzeln oder gekoppelt zum Einsatz kommen. Wochentags wurden 2019 fast 10.000 Fahrgäste gezählt; das sind 58 Prozent mehr als im Jahr 2000. „Damit erreichen wir in der Hauptverkehrszeit allerdings
zunehmend die Kapazitätsgrenze“, heißt es beim VVO, „so dass derzeit geprüft wird, nach Ende des aktuellen Verkehrsvertrages im Dezember 2025 wieder Doppelstockfahrzeuge einzusetzen.“

Eine weitere Verlängerung der Züge ist wegen der begrenzten Bahnsteiglängen nicht möglich.

Dieses und weitere Themen finden Sie in der Kundenzeitschrift des VVO – OberelbeTakt – Ausgabe II/2020.


6 Kommentare

  1. Bernd Böttcher

    Es sollten Dostos eingesetzt werden. Da sind die Gänge breiter als beim Hamster (BR442).

    1. Frank Dampf

      Die Dostos sind in allen Belangen besser…

      1. Holger

        Aber nur wenn es die Fahrgastzahlen her geben. Und leider hat man in Sachsen in den 90ern große Fehler gemacht, indem man 5 Verkehrsverbünde entstehen ließ. Berlin und Brandenburg waren da schlauer. Und auch wenn der VBB lange Zeit ebenfalls Angebote reduzierte, so ist seit der Fertigstellung des Berliner Nord Süd Tunnels und dem Wirtschaftsboom im Raum Berlin Geld da, massive Verbesserungen in die Verkehrsverträge zu bringen. Nehmen wir den Landkreis Teltow Fläming oder die Landkreise Elbe Elster und Dahme Spreewald. Die Züge mussten seit dem Mauerbau bis 2006 den Umweg über Schönefeld auf die Stadtbahn nehmen, was wenn man Pech hat auch heute bei PUs oder Personen im Gleis vorkommen kann und den Weg ins Zentrum Berlins oder aus diesem heraus die Fahrtzeit verdoppelt. Dementsprechend fuhren nur ein Paar Hanseln mit der Bahn. Seit 2006 allerdings ziehen immer mehr Menschen aus dem teuren Berlin nach Brandenburg. Letztes Jahr war 2,5 Monate Schienenersatzverkehr, ein fürchterlicher Zustand der viele wegen mehr als doppelter Fahrtzeit mit dem Auto nach Ludwigsfelde fahren ließ. Hier fahren jetzt im Sommer 5 Dostos und im Winter 4, mal abgesehen von Corona (weniger Fahrgäste) sind die Züge zwischen Jüterbog und Bernau rappelvoll, sogar Morgens 4:30 Uhr bis 8:30 trotz 30 Minuten Takt und später im Stundentakt, ab 15:30 Uhr wieder im Stundentakt. Fragwürdig ist hier allerdings die Durchbindung jeweils alle zwei Stunden nach Falkenberg und Wittenberg. Ich bin nicht der Meinung, diese Strecken zu streichen. Aber auf den Ästen würden die Talent 2 der S-Bahn Mitteldeutschland wesentlich mehr Sinn ergeben. Denn ab Jüterbog Richtung Süden und Osten sind die Züge fast leer, außer am Wochenende. Was der VBB jetzt neu hat und ich gut finde, ist das 24 Stunden Ticket. Hin und Rückfahrt wurden schon in den letzten Jahren automatisch zum Tagesticket (gültig bis 3 Uhr des Folgetages), mittlerweile ist es bis zur Urzeit der Entwertung/Kaufs des Folgetages gültig. Also wenn ich heute 15 Uhr einkaufen fahre, kann ich am Folgetag ebenfalls nochmal mit dem Ticket fahren, bis 15 Uhr. Auch cool ist der Rufbus, den es da gibt, da bezahlt man gern mal einen Euro zusätzlich, wenn man dafür 1 Std früher zurück ist. Aber, bis dahin war es ein langer Weg. Und zumindest was dieses Thema angeht, scheinen es die sächsischen Politiker mittlerweile kapiert zu haben, dass dieses Tarifwirrwarr unötig, ja sogar extrem schädlich ist. Wenn ich an meine Berufsschulzeit in Riesa denke und wie sehr ich mir gewünscht habe, zum VVO zu gehören und feststelle, dass dies 22 Jahre her ist und ich auch noch Landtagsabgeordnete kenne, bevor sie in den Landtag gewählt wurden, und wie oft ich dass gepredigt habe, diesen Dschungel endlich begehbar zu machen, muss ich den Realitätssinn vieler Politiker massiv in Frage stellen.

        1. Holger

          Was ich vergessen habe zu erwähnen. Zwischen Elsterwerda und Berlin HBF kann man übrigens seit letztem Jahr den IC2 Dresden – Berlin -Rostock und EC Prag – Dresden – Berlin – Hamburg nutzen, im VBB Tarif, aber auch mit dem Quer durchs Land Ticket. Und zwar Verbindungen jeden Wochentag, was auch dafür spricht, dass der Bedarf in Brandenburg einfach da ist und die finanziellen Mittel dafür auch.

  2. Lukas

    Hallo VVO-Team,

    seit Beginn der Coronapandemie im letzten Jahr ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kontinuierlich gesunken, was aufgrund der aktuellen Lage auch nicht verwunderlich ist. So gehört doch der öffentliche Personennahverkehr zu den großen Verlierern der Corona bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Durch vermehrten Einsatz von Homeoffice oder einfach auch aus Angst vor einer Ansteckung nahm und nimmt der Pendlerverkehr immer weiter ab. Doch was kommt nach Corona? Wie werden die finanziellen Löcher die zurzeit entstehen wieder gefüllt? Wird es auch in Zukunft weniger Pendlerverkehr geben und werden damit in Zukunft nicht auch viel weniger Züge benötig als noch vor einem Jahr? Fragen, die auch Sie wahrscheinlich (noch) nicht beantworten können.

    Dennoch möchte ich in Bezug auf dieses Thema und dem informativen Blogeintrag über den Saxonia-Express nachfragen, wie die kommende Ausschreibung auf der bisher stark nachgefragten Strecke aussieht. Mit welchen Fahrgastzahlen rechnen Sie für die kommende Neuvergabe des Saxonia-Expresses? Gibt Corona den Anlass dafür, bisherige Konzepte zu überdenken?

    Unter der Rubrik „Verkehrswende: Die Zukunft der Eisenbahn im VVO“ machte ich Ihnen bereits den Vorschlag (Kommentar vom 22.05.2020 um 8:28 Uhr) einstöckige und doppelstöckige Fahrzeuge der Nachfrage entsprechend flexibel einzusetzen. Damals gaben Sie an, dass Sie bereits verschiedene Varianten „testen“. Wie steht es denn um dieses Thema bzw. wie sehen denn die „Testergebnisse“ aus?

    Andreas Schauer sagte einmal: „Die Qualität des ÖPNV ist ein Gradmesser für die Lebensqualität in unseren Städten und auf dem Land. Der ÖPNV muss attraktiv, sicher, verlässlich und bezahlbar sein.“ Ich hoffe sehr, dass es im Zuge der Neuausschreibung auch zu Neufahrzeugen kommt, mit denen dieses Zitat wenigsten ansatzweise erfüllt werden kann. Zum missglückten Fahrzeug Talent 2 gehe ich nicht weiter ein, ich denke da wurde in den letzten 8 Jahren genug Negatives gesagt.

    Viele Grüße,
    Lukas

    1. Christian Schlemper

      Hallo Lukas, zwschen 2016 und 2019 sind die Fahrgastzahlen des RE 50 um 11 Prozent gestiegen. Daher planen wir für die Zeit nach der Pandemie mit weiter steigenden Nutzerzahlen und setzen uns daher für de Einsatz von Doppelstockfahrzeugen ein. Zu den genauen Kapazitätsplanungen und daher Fahrzeugkonfigurationen kann ich Ihnen noch nichts neues sagen. Zu den Hintergründen des Einsatzes der Talent 2 Triebwagen haben wir uns in der Vergangenheit ja ebenfalls ausführlich geäußert. Ohne ihren Einsatz hätten wir das Angebot angesichts von damaligen Mittelkürzungen auf der Strecke ausdünnen müssen – so konnten wir im Gegenteil sogar Taktlücken schließen. Wir wissen um die Mängel und diese Erfahrungen werden in die Neuausschreibung mit einfließen. Viele Grüße

Kommentar verfassen

* Pflichtfelder bitte ausfüllen
Die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse ist freiwillig.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und nicht weiter verarbeitet.