Erfahrbar komfortabel

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Der französische Konzern Transdev und seine regionale Tochter Bayerische Oberlandbahn (BOB) haben im Juni 2016 das Elektronetz Mittelsachsen (EMS) übernommen. Seit nunmehr einem Jahr fahren die markant silbergrauen Züge zwischen Hof und Dresden sowie von Chemnitz in Richtung Elsterwerda. Friedbert Straube, Teamleiter Verkehr beim VMS, und Lutz Auerbach, Abteilungsleiter Verkehr beim VVO, arbeiten seit mehr als zwei Jahren eng zusammen – Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Das Interview führt Nils Brabandt  

Die Deutsche Bahn hat jahrelange Erfahrung als Betreiber der Strecken.
Warum fiel bei der Neuvergabe die Entscheidung zugunsten von Transdev?

Lutz Auerbach (VVO) und Friedbert Straube (VMS) im Führerstand des Coradia-Flitzers.

Straube: Erstens hat die DB kein Angebot abgegeben. Zweitens war natürlich die Erfüllung unseres Leistungskatalogs maßgeblich. Das bedeutet beispielsweise, dass in Spitzenzeiten bis zu 480 Sitzplätze pro Zug angeboten werden können müssen. Zum anderen sparen allein VMS und VVO durch das Angebot von Transdev zwischen zwölf und 16 Prozent Kosten bei einem Mehr an Leistung.
Auerbach: Die Einsparungen sind definitiv ein entscheidender Punkt. Wir waren ja anfangs etwas skeptisch, aber durch das Modell, die Züge selbst zu kaufen und dann an Transdev zu vermieten, konnten weitere Vorteile genutzt werden. Mit dem VMS haben wir da einen Partner, der auf diesem Gebiet große Erfahrung besitzt. Dem haben wir vertraut und freuen uns jetzt sehr darüber.

Welche Vorteile sind das?

Der Experten-Check erfolgt im Betriebshof des VMS – durch den Hersteller Alstom.

Auerbach: Es konnten bei der Bestellung der Züge konkrete Wünsche an den Hersteller Alstom formuliert werden. Manche Komfortmerkmale, wie etwa weichere Sitze, kosten beispielsweise in der Herstellung nur wenig mehr. Schreibt man das aber im Gesamtpaket aus, hat man am Ende kaum die Kontrolle darüber, was ein Anbieter dann wirklich mitbringt. Meistens werden in der Regel nur die Mindeststandards der Ausschreibung eingehalten.
Straube: Der VMS hat durch das „Chemnitzer Modell“ jahrelange Erfahrung und kompetente Mitarbeiter auf dem Gebiet der Investition in Infrastruktur und Technik. Da das Streckennetz zu zwei Dritteln in unserem Verbundgebiet verläuft, haben wir auch die Hauptverantwortung für die Ausgestaltung des Vergabekonzepts übernommen. Davon können jetzt alle Beteiligten profitieren.

Wie kommt der neue Anbieter denn bei den Kunden an?
Auerbach:
Der Start im vergangenen Juni verlief erfreulich reibungslos. Da geht ein großes Lob an Transdev, die ihr Personal auch bei uns in den Verbundgebieten hat schulen lassen. Von technischen Problemen im Dezember abgesehen, blicken wir auf ein recht gutes erstes Jahr. Besonders viel Lob hören wir über die netten Zugbegleiter.

Was war im Dezember los?
Straube:
Züge sind mittlerweile technisch hochkomplexe Gebilde, die zum Teil aus autonomen Systemen bestehen. Wenn da ein Teil verstärkte Abnutzung meldet, schaltet sich im schlimmsten Fall der ganze Zug ab. Alstom hatte den Einfluss aus der Strecke und dem Mittelgebirgswinter auf die ohnehin komplexe Instandhaltung unterschätzt. Jetzt wurden die Prozesse angepasst und wir schauen optimistisch in die Zukunft.
Auerbach: Ein weiterer Vorteil der Ausschreibung zeigte sich an dieser Stelle: Der Hersteller Alstom hat nicht nur den Liefervertrag für die Coradia-Züge, sondern gleichzeitig den Wartungsvertrag gewonnen. Somit konnten die Alstom-Mitarbeiter im VMS-eigenen Betriebshof in Chemnitz direkt auf die unternehmenseigenen Daten zugreifen. Das sparte in dem Moment eine Menge Aushandlungszeit.

Mehr zu diesem und weiteren Themen lesen Sie im aktuellen VVO-Verbundbericht.


2 Kommentare

  1. ein Bahnpendler

    „Der Start im vergangenen Juni verlief erfreulich reibungslos.“

    Hmm.. da habe ich ehrlich gesagt anderes in Erinnerung.

    Schade ist übrigens auch, dass diese Züge keine Einzelsitze haben…

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bahnpendler, für eine Betriebsaufnahme dieser Größenordnung und mit neuen Fahrzeugen waren wir wirklich zufrieden. Den Hineis zu den Einzelsitzen gebe ich an den VMS weiter. Viele Grüße

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