Rote Loks, weiße Triebwagen: Wettbewerb auf den Gleisen

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Der 12. Dezember 2010. Dresden Hauptbahnhof. Kurz nach acht Uhr morgens.
Schon seit Tagen hat es geschneit. Daher stand schon seit dem Donnerstag fest, dass wie gewohnt zusätzliche Züge die Wintersportler nach Altenberg bringen werden. Mancher Fahrgast wirft dem Zug einen irritierten Blick zu: Er ist Weiß statt wie gewohnt Rot. Die Türen leuchten Gelb. Der Zugbegleiter hat andere Dienstkleidung. Aber sonst: Das VVO-Ticket gilt, der Zug ist geheizt und pünktlich und die Stimmung gelöst. Ein paar Fahrgäste merken nur am Rande, dass sie Zeuge einer Premiere sind: Zum ersten Mal fährt neben der DB Regio AG ein anderes Unternehmen auf den Gleisen im VVO: Die Städtebahn Sachsen hat ihren Betrieb aufgenommen. Wie es dazu kam, erläutert dieser Beitrag.

Die S-Bahnen und Regionalzüge, die im Verbundgebiet unterwegs sind, werden vom VVO bestellt und bezahlt. Das Geld erhalten wir vom Bund, der diese Mittel, sogenannte Regionalisierungsmittel, an die Bundesländer ausreicht. Der Freistaat Sachsen teilt das Geld weiter auf und reicht es zum großen Teil an fünf Zweckverbände weiter. Mit den Mitteln planen und finanzieren die Verbände den Nahverkehr in ihren Regionen:

 

Der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) im Vogtland, der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) in Chemnitz und Mittelsachsen, der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) im Großraum Leipzig, der Zweckverband Oberlausitz Niederschlesien (ZVON) rund um Bautzen und Görlitz und der VVO rund um Dresden.

Insgesamt stehen dem VVO derzeit jährlich rund 90 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen Zugfahrten bestellt werden. Um diese Steuergelder optimal einzusetzen, ist der VVO per Gesetz verpflichtet, die Leistungen in ganz Europa auszuschreiben und im Wettbewerb zu vergeben. Zusätzlich haben wir so die Chance, Verbesserungen für die Fahrgäste zu erreichen.

Im Interesse der Fahrgäste fordern wir so einiges: Alleine für die Saxonia-Linie wurden 427 DIN A4-Seiten gefüllt. Neben dem ausgeschriebenen Fahrplan und Anforderungen an die Fahrzeuge sind auch Vorschriften zur Qualität des Kundenservices, Bestimmungen zu Fundsachen und Informationen zu den VVO-Kundengarantien Bestandteil der Unterlagen.

Die Unternehmen haben nach der
öffentlichen Bekanntgabe mehrere Monate Zeit, Rückfragen zu stellen und ein Angebot abzugeben. Die Auswertung erfolgt beim
VVO, die endgültige Entscheidung trifft die Zweckverbandsversammlung.
Entscheidend ist dabei nicht nur der Preis:
Ist ein Angebot teurer als das eines anderen Bieters, umfasst allerdings gewünschte Zusatzleistungen, die nicht gefordert waren,
so wird dies auf den Preis angerechnet.
So stellen wir sicher, dass zum Schluss
nicht das billigste, sondern das preiswerteste Angebot den Zuschlag erhält.

Nach der Entscheidung für ein Unternehmen haben unterlegene Unternehmen rund zwei Wochen Zeit, bei der Vergabekammer Widerspruch einzulegen und eine Prüfung zu verlangen.
Erst dann ist der Zuschlag rechtskräftig und das Unternehmen kann mit der Vorbereitung des Betriebes beginnen.

Im Jahr 2010 wurde das VVO-Dieselnetz auf diese Weise neu vergeben – der alte Vertrag mit der DB Regio lief aus. Die Städtebahn Sachsen gewann den Wettbewerb und fuhr pünktlich zum Fahrplanwechsel den ersten Zug. Neben den Wintersportzügen gehören auch die Strecken von Dresden nach Kamenz und Königsbrück, die Müglitztalbahn und  die Verbindung von Pirna über Neustadt nach Sebnitz zu den Strecken des Netzes. So treffen sich heute die weißen Züge der Städtebahn mit den roten Zügen der DB AG. Was am Anfang noch neu war, ist heute tägliche Routine: Vielfalt auf den Gleisen.


15 Kommentare

  1. Bernd Böttcher

    könnte man die SB33 /SB34 zusammen von Dresden Hbf bis Dresden-Klotzsche vereinigt fahren lassen?

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, das ginge schon, verschlechtert aber das Angebot zwischen Dresden-Neustadt und Dresden-Klotzsche. Darüber hinaus erhöht das Kuppeln die Reisezeit. Eine gemeinsame Abfahrt und Zugteilung in Dresden-Klotzsche findet nur abends statt. Viele Grüße

      1. P. Michel

        Die Vereinigung von SB 33 und SB34 zwischen Dresden Hbf und Dresden-Klotzsche hätte einige Vorteile gegenüber der getrennten Linienführung der obengenannten Linien. Zum einen ließe sich dadurch die SB 33 zum Hbf durchbinden, wodurch das, teilweise lästige umsteigen entfällt. Der Teilungsvorgang dauert in den meisten Fällen nicht länger als 3 Minuten, sodass nach dieser Zeit der/die erste/n Züge/Zug bereits weiterfahren kann, der zweite noch zwei Minuten am Bahnsteig wartet. Zudem wird zw. DD-Neust und DD-Klotzsche eine Trasse frei, die durch einen HVZ-Verstärker o. ä. (wenn zwei Züge zusammengekoppelt fahren, müssten sie doch nur die Trasse für einen Zug bestellen) genutzt werden könnte.

        1. Christian Schlemper

          Hallo P. Michel, das Trennen von Zügen geht schnell, das Zusammensetzen dauert allerdings länger: Dafür müssen, wenn die Infrastruktur nicht entsprechend ausgebaut ist, bis zu 8 Minuten eingeplant werden. Daher wird zwar abends ein Zug der SB 33/ 34 mit zwei Triebwagen gefahren und in Dresden-Klotzsche getrennt, eine Zusammenführung findet aber nicht statt. Die lange Dauer des Kupplungsvorgangs würde wieder die Zeit kosten, die wir durch die Arnsdorfer Kurve auf der SB 34 gewonnen haben. Daher ist derzeit ein Flügelungs-Konzept nicht vorgesehen. Viele Grüße

  2. Paul Stephan

    Warum sind eigentlich noch immer mehrere Loks der BR143 auf der S1 unterwegs? Sollten nicht mittlerweile nur noch die BR182 fahren? Der Grund war ja meines Wissens eine kürzere Fahrzeit auf der Strecke Meißen-Schöna und die Rückspeisung der Bremsenergie mit der BR182. Das dürfte ja nun nicht machbar sein, wenn immer noch 143er mit rumfahren.
    Und ist es bereits abzusehen, ob und wann auch auf der S2 neuere Loks (bsp. BR145/146) fahren werden? Mit Tunneln dürften die ja eigentlich keine Probleme haben, sofern sie eine NBÜ haben…

    1. Christian Schlemper

      Hallo Paul Stephan, die DB Regio setzt Lokomotiven der BR 143 ein, wenn eine Lok der BR 182 in der regulären Überprüfung ist. Da eine Lok für den Ersatzzug des RE 50 gebunden ist, der ja mit 182ern fahren muss, um den Fahrplan einhalten zu können, „fehlt“ so regelmäßig die richtige Lok. Die DB kann natürlich die 143er einsetzen, so lange sie den Fahrplan einhält. Da diese Loks aber keine Bremsenergie in das Netz zurückspeisen, ist deren Betrieb teurer und wird daher von der DB Regio auf ein Minimum beschränkt. Der Einsatz von moderneren Lokomotiven auf der S 2 ist vorerst nicht geplant. Hier erfüllen die derzeit eingesetzten Loks ihren Zweck doch sehr zuverlässig. Viele Grüße

  3. Paul Stephan

    Danke Christian Schlemper für die Antwort!
    Verstehe ich das richtig, dass mit der 182, die auf dem RE50 unterwegs ist, quasi nur eine Ersatzlok verfügbar ist? Wie wird das dann, wenn mal im 15 Minuten Takt gefahren wird?
    Mich wundert die momentane Situation nur deshalb, weil sowohl bei Einführung des neuen Verkehrsvertrages als auch auf der Website der S-Bahn mit den 182ern auf der S1 geworben wird/wurde. Es kommt da immer so rüber, als würde auf der S1 ausschließlich mit diesen Loks gefahren, was ja spätestens mit Einführung eines 15′ Taktes endgültig unmöglich wäre.
    Und was ist eigentlich mit den extra mit Nahverkehrspaket ausgerüsteten 145ern geworden? Stehen die nicht mehr als Ersatz zur Verfügung? Immerhin hatte man damals wirklich alle 143er ersetzt, was wohl nicht ohne Grund geschehen ist.
    Viele Grüße

    1. Christian Schlemper

      Hallo Paul Stephan, die 182er werden in der Tat wegen ihrer Umweltfreundlichkeit sowie raschen Beschleunigung auf der S 1 eingesetzt. Insbesondere für die lange Strecke durch das Elbtal ist dies von Bedeutung. Die Verdichtung des Taktes ist ja zwischen Meißen und Dresden und mit kürzeren Zügen geplant, so dass das Leistungsvermögen der 182er hier nicht benötigt wird. Zu den genauen Details des neuen Fahrplans im Elbtal werden wir uns nach Abschluss der Verhandlungen mit der DB Regio AG äußern. Zu dem Schicksal der umgerüsteten 145er fragen Sie bitte die DB. Viele Grüße

  4. Bernd Böttcher

    Die BR143 ist die falsche lok für den RE3. Sie schafft nur 120 km/h und man sollte mehr BR182 und BR 442 an schaffen und Die BR143 in rente schicken. Wenn die BR143 an fährt vibriert der ganze Bahnsteig.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, vielen Dank für Ihre Meinung.

  5. Bernd Böttcher

    Es wäre gut wenn ihr mit der Vogtlandbahn sprechen könntet ob es möglich ist eine Direktverbindung von Pirna bis nach Adorf (Vogtl)

  6. Bernd Böttcher

    Warum vekehrt die BR182 auf der Saxonia?

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, der Ersatzzug des RE 50 wird mit einer Lok der BR 182 angetrieben, um die Fahrzeiten einzuhalten.

  7. Bernd Böttcher

    Vielen danke. Was ändert sich beim RE3 bzw. RE9 mit den den Anschlüssen in Dresden Hbf zur S1 nach Bad Schandau bzw. Schöna

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd, da ändert sich nichts. Der RE 3 ist auf seiner gesamten Strecke in wichtige Knoten wie Chemnitz eingebunden, so das eine Verschiebung nicht möglich ist. Viele Grüße

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