Erste neue E-Fähre im Elbland

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An der Fährstelle Niederlommatzsch – Diesbar-Seußlitz gleitet die erste von künftig vier E-Fähren der Verkehrsgesellschaft Meißen über die Elbe.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Hier fließt Strom statt Diesel.

Leise Technik und mehr Komfort für Fahrgäste

Nahezu lautlos nähert sich die „Klarisse“ dem Anleger von Diesbar-Seußlitz – nicht einmal der Kormoran am Ufer nimmt Notiz von ihr. Vom Steuerhaus aus aktiviert Fährmann René Lindner den Elektromagneten, der das Schiff an der schwimmenden Plattform festhält, und öffnet ebenso elektrisch die Türen. „Vertäuen muss ich die Fähre nur noch, wenn ich von Bord gehe“, sagt Lindner.

Mehr noch als die körperliche Erleichterung begeistert ihn jedoch der Wegfall von Lärm und Dieselgeruch, ein Vorzug, den auch die meisten Fahrgäste sofort bemerkt haben. Seit ihrer Indienststellung am 11. September hat die nagelneue E-Fähre schon reichlich Einheimische, Wanderer und Spaziergänger zwischen Diesbar-Seußlitz und Niederlommatzsch übergesetzt. „An schönen Herbstwochenenden macht sich die größere Kapazität bezahlt“, so der Fährmann. Während der dieselbetriebene Vorgänger, die „Stolzenfels“, nur 35 Passagiere auf einmal befördern konnte, schafft die „Klarisse“ 80.

Barrierefrei zur neuen E-Fähre

Barrierefreie Anleger und mehr Sicherheit

Zudem kommen jetzt auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Eltern mit Kinderwagen leichter an Bord. „Die Anleger wurden barrierefrei ausgebaut“, berichtet Projektmanagerin Kristin Göpfert. „So sind die Steganlagen jetzt flacher und breiter, und es gibt in Niederlommatzsch ein Bodenleitsystem für Sehbehinderte.“ Zusätzlich sorgen dort neue Geländer an den Zugängen für mehr Sicherheit und Übersichtlichkeit. Das Kabel, mit dem die Fähre nachts auf der Niederlommatzscher Seite aufgeladen wird, ist an Land gut verstaut und wird nicht zur Stolperfalle.

Ein regionales Zukunftsprojekt in Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium

Vor drei Jahren hatte die Verkehrsgesellschaft Meißen beschlossen, für ihre insgesamt vier Fährstellen einheitliche E-Fähren anzuschaffen. „Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert“, so Kristin Göpfert. „Deshalb wurde der Bau der Schiffe europaweit ausgeschrieben.“ Den Zuschlag erhielt im Mai 2024 die Lux Werft und Schifffahrt GmbH aus Niederkassel-Mondorf in der Nähe von Bonn.

Die „Klarisse“ und ihr Start in den Betrieb

Ende Juli dieses Jahres wurde die erste Fähre auf dem Rhein zu Wasser gelassen und machte sich wenig später auf den Weg zu ihrem künftigen Einsatzort. Mit an Bord war René Lindner, der eine Schiffsführerlizenz besitzt und auch bei Längsfahrten auf Flüssen ans Steuerrad darf. „Vor dem Start gab es natürlich eine Einweisung auf der Werft“, erzählt er. „Schließlich waren der elektrische Betrieb und die Anlegemagneten völlig neu für mich.“

Auf dem ersten Teil der Strecke navigierte noch ein ortskundiger Kollege, ab dem Mittellandkanal übernahm dann Lindner. Einschließlich einer Zwangspause wegen Niedrigwassers war die „Klarisse“ auf der rund 850 Kilometer langen Strecke einen reichlichen halben Monat unterwegs. Die Testfahrten vor Ort verliefen störungsfrei, und Schritt für Schritt konnten weitere Fährleute in die neue Technik eingewiesen werden.

Ausblick: Erweiterung der Flotte und einheitlicher Fahrplan

Bis auf den 24. und 31. Dezember ist die E-Fähre, die ihren Namen einer Sage um das ehemalige Klarissenkloster in Seußlitz verdankt, ganzjährig im Einsatz. Bereits Ende März soll sie eine baugleiche „Schwester“ an der Elbquerung zwischen Strehla und Lorenzkirch bekommen. „Die Ausschreibung für den Umbau der dortigen Fährstelle läuft bereits“, sagt Kristin Göpfert. „Anfang Januar sollen die Arbeiten beginnen.“ Dafür nutze man die derzeit noch gültige winterliche Betriebspause. „Wenn die Modernisierung abgeschlossen ist, werden alle vier VGM-Fähren nach einem einheitlichen Fahrplan verkehren.“

Weitere Informationen

Dieses und weitere Themen finden Sie in der Kundenzeitschrift des VVO – OberelbeTakt – 3. Ausgabe 2025.


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