So kriegt jeder, was ihm zusteht: Einnahmenaufteilung im VVO

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Ein Ticket. Alles fahren. Das ist der große Vorteil in einem Verkehrsverbund. Wie aber bekommt jedes Unternehmen seinen gerechten Anteil der Einnahmen, wenn jeder Fahrgast bei jedem Unternehmen ein Ticket kaufen kann und damit überall fahren kann? Dieser Beitrag bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Von Christian Schlemper

Stellen wir uns vor, Sie machen einen Ausflug in die Sächsische Schweiz. Dafür organisieren Sie, weil Sie nicht alleine wandern möchten, zuerst noch ein paar Freunde, planen dann eine Route und machen sich einen Treffpunkt aus. Am frühen Morgen steigen Sie in Dresden in den Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) und kaufen beim Fahrer eine Kleingruppenkarte für sich und ihre Freunde. Sie fahren zum nächsten Haltepunkt und setzen Ihre Tour mit der S-Bahn der Deutschen Bahn (DB) fort. Beim Zugbegleiter zeigen Sie Ihr Ticket nur noch vor. In Königstein setzen Sie mit der Fähre über und dank Ihres Tickets winkt Sie der Fährmann der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft (OVPS) ganz routiniert an Deck. Abends funktioniert die Heimreise ebenso einfach. Wie kommen aber nun die DB AG und die OVPS an ihren Anteil von der Kleingruppenkarte? Schließlich haben die Unternehmen ja für Sie gearbeitet, Ihr Geld hat aber die DVB eingenommen.

Grundlage für die Aufteilung der Einnahmen ist eine regelmäßige Fahrgastbefragung, die Verbundverkehrserhebung. Etwa alle fünf Jahre schwärmen Befrager aus, die im Lauf eines ganzen Jahres überall im VVO Fahrgäste nach ihren Tickets und Strecken interviewen. Bei Wochen-, Monats- und Jahreskarten fragen sie darüber hinaus, wie oft sie genutzt werden. Diese Daten werden detailliert ausgewertet und bilden die Grundlage für die Aufteilung der gesamten Einnahmen der Verkehrsunternehmen.

Jedes Ticket hat übrigens seinen eigenen Verteilschlüssel: So wird zum Beispiel die Einnahme aus einer Tageskarte für die Tarifzone Dresden anders aufgeteilt als das Geld, das Sie für eine Monatskarte Pirna und Bad Schandau zahlen. Der VVO selber ist bei dieser Aufteilung übrigens nur der Vermittler – selber erhalten wir aus den gesamten Einnahmen nichts, da wir selber ja keine Busse oder Bahnen haben.

Wie funktioniert diese Aufteilung nun in der Praxis?

Jeden Monat melden die Unternehmen ihre Einnahmen an den VVO. Mit Hilfe des Verteilschlüssels wird das Geld dann aufgeteilt: Zuerst einmal wird berechnet, wie viel Einnahmen jedem Unternehmen zustehen. Dann gibt es Partner, die haben mehr verkauft, als ihnen zusteht, daher müssen sie etwas abgeben. Andere bekommen dann noch etwas dazu.

Nehmen wir uns ein Beispiel: Dank des dichten Netzes an Servicestellen im Dresdner Stadtgebiet kaufen viele Fahrgäste ihre Tickets bei der DVB AG, fahren dann aber vor allem Zug. Das heißt, dass die DVB AG den anderen Unternehmen etwas abgeben muss. Gleichzeitig hat sie aber mehr Arbeit geleistet, da sie ja die Tickets verkauft hat. Um sie dafür zu entschädigen, steht ihr ein gewisser Prozentsatz des zuviel eingenommen Geldes zu. Nach Abzug dieser Provision überweist sie den Rest des Geldes an uns und wir verteilen es weiter.

Manchmal ändert sich der Verteilschlüssel aber auch vor dem Ablauf von fünf Jahren: Kommt ein neues Unternehmen dazu, wie im letzten Jahr der trilex, so werden die Zahlen aus der Verbunderhebung neu ausgewertet. Auch wenn ein Unternehmen seinen Fahrplan deutlich verändert, zum Beispiel Linien streicht oder den Takt ausdünnt, wird der Anteil neu berechnet. Eine besonders im Eisenbahnverkehr wichtige Größe sind auch die Fahrgastzahlen: Wächst die Zahl der Fahrgäste um mindestens 2,5 Prozent, dann wird der Anteil für das Unternehmen neu berechnet. Aus diesem Grund sind viele Züge im VVO mit automatischen Fahrgastzählsystemen unterwegs. Diese Technik, und was sich alles damit machen lässt, ist allerdings schon wieder ein eigenes Thema wert.


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