Mehr Platz in den Zügen des E-Netzes

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SaxoniaExpress in Wurzen, Foto: Andreas Lander

Wie sich DB Regio und die Verbünde auf den Beginn des neuen Verkehrsvertrages im Dezember 2026 vorbereiten.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Im Sommer 2023 erteilten die drei beteiligten Zweckverbände der DB Regio Südost den Zuschlag für das sogenannte E-Netz Oberelbe (ENOE): Das Bahnunternehmen wird die elektrifizierten Nahverkehrsstrecken ab Dezember 2026 14 Jahre lang betreiben. Was das bedeutet, erklären Johannes Huke, beim VVO zuständig für Vertragscontrolling, und Ertugrul Kilicaslan, Projektleiter Inbetriebnahmen bei DB Regio.

Johannes Huke (links), beim VVO zuständig für Vertragscontrolling, und Ertugrul Kilicaslan, Projektleiter Inbetriebnahmen bei DB Regio

Welche Strecken umfasst das E-Netz Oberelbe?

Johannes Huke: Im Netz enthalten sind die Linien RE 50 Dresden-Leipzig sowie die aus dem Elbe-Elster-Netz kommenden Linien RE 15 Dresden-Hoyerswerda und RE 18 Dresden-Cottbus. Die Linie RB 31 Dresden-Elsterwerda-Biehla wird als „neue“ Linie S 6 vorübergehend ins Netz Lausitz integriert und gehört ab 2035 vollständig zum E-Netz Oberelbe.

Spielt der Wechsel von DB Regio Nordost zu Südost eine Rolle?

Ertugrul Kilicaslan: Der Wechsel spielt keine wesentliche Rolle. Beide Regionen arbeiten bereits heute im Vorgängervertrag gut zusammen. Zum Beispiel werden auch heute schon Triebfahrzeugführer und Kundenbetreuer beider Regionen auf den Linien RE 15, 18 und RB 31 eingesetzt. Dies bleibt auch zukünftig so. In der Instandhaltung und in der Disposition werden ebenfalls beide Regionen aktiv sein.

Fahren auf den drei Strecken ab Dezember mehr Züge?

Johannes Huke: Mit rund 3,1 Millionen Zugkilometern entspricht das Grundangebot der Linien RE 50, RE 18 und RE 15 ab Dezember 2026 weitestgehend dem aktuellen Leistungsangebot. Für die neue S 6 ist es uns gelungen, den Abschnitt Coswig-Elsterwerda-Biehla mit mehr Fahrten zu verdichten.

Welche und wie viele Fahrzeuge werden eingesetzt? Woher kommen sie?

Ertugrul Kilicaslan: Auf den RE 15- und RE 18-Fahrten kommen 15 Vierteiler vom Typ „Talent 2“ zum Einsatz. Derzeit erbringen diese Fahrzeuge ihre Leistungen im MDSB-I-Netz im Leipziger Raum, dessen Verkehrsvertrag im Dezember 2026 endet. Auf der Linie RE 50 pendeln zwischen Dresden und Leipzig künftig fünf Doppelstockzüge des Typs Twindexx Vario, die derzeit noch im Nord-Süd-Netz des VBB im Einsatz sind.

Wie verändern sich damit die Kapazität?

Johannes Huke: Insbesondere bei der extrem stark nachgefragten Verbindung zwischen Dresden und Leipzig erhöht sich die Sitzplatzanzahl und der Platz in den Zügen erheblich. Bisher kann es passieren, dass zu einzelnen Tageszeiten nur rund 330 Sitzplätze in einstöckigen Fahrzeugen zur Verfügung stehen. Ab Dezember 2026 können wir fast immer rund 480 Sitzplätze sowie einen separaten Fahrradwagen mit insgesamt rund 70 Fahrradstellplätzen anbieten. Auf den anderen beiden Linien verkehren statt der bisher dreiteiligen Triebwagen in Zukunft vierteilige Fahrzeuge. Außerdem gibt es häufiger Fahrten in Doppeltraktion.

Welche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen sind nötig, und wie ist der aktuelle Stand?

Ertugrul Kilicaslan: Obwohl es Gebrauchtfahrzeuge sind, befinden sie sich in einem neuwertigen Zustand und werden punktuell einem Refresh unterzogen. Unter anderem werden die WC-Räume und Mehrzweckbereiche aufgewertet und abgenutzte Sitzbereiche ausgetauscht. Zur Ausstattung gehören künftig auch kostenloses WLAN, Steckdosen sowie eine
Echtzeitinformation zur Zugfahrt und zu den Anschlüssen. Mit dem Umbau liegen wir voll im Plan. Für den Betrieb müssen wir zudem Standorte für Fahrzeugunterstellung, Werkstattkapazitäten und Instandhaltungseinrichtungen anpassen.

Wie wird das Personal vorbereitet?

Ertugrul Kilicaslan: Die Triebfahrzeugführer müssen sich einer Streckenkunde unterziehen, und falls die Fahrlizenz für den entsprechenden Fahrzeugtyp fehlt, einige Trainingsstunden auf dem „unbekannten“ Fahrzeug absolvieren. Dieses Training beginnt sechs bis neun Monate vor dem Start.

Welche Vorbereitungen für die Betriebsübernahme müssen außerdem getroffen werden?

Ertugrul Kilicaslan: Die modernisierten Fahrzeuge müssen zugelassen und getestet, der Einsatz des Fahrpersonals muss geplant werden. Für die verbesserte Fahrgastinformation ist die Software anzupassen. Zudem werden die Fahrten in den Fahrplan und die Fahrplanauskunft integriert. Ziel ist ein nahtloser Start ab dem Fahrplanwechsel im Dezember.
Johannes Huke: Um die Qualität des Angebots – zum Beispiel die Pünktlichkeit – zu gewährleisten, muss das Monitoring der Zugleistungen im Detail abgestimmt und vorbereitet werden.

Die Strecken des E-Netzes Oberelbe berühren drei verschiedene Verkehrsverbünde. Wie arbeiten diese zusammen? Welche Aufgaben haben sie später noch im laufenden Betrieb?

Johannes Huke: Für die Betriebsaufnahme haben wir regelmäßige gemeinsame Gesprächs- und Abstimmungsrunden mit unseren benachbarten Aufgabenträgern und der DB Regio. So gehen wir sicher, dass alle Partner stets den gleichen Wissensstand haben und keinerlei Informationen während des Prozesses verloren gehen. Nach der erfolgreichen Betriebsaufnahme werde ich den Verkehrsvertrag E-Netz Oberelbe betreuen und die Betriebsqualität für den VVO und unsere Fahrgäste im Blick haben.

Weitere Informationen

Dieses und weitere Themen finden Sie in der Kundenzeitschrift des VVO – OberelbeTakt – 1. Ausgabe 2026.


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