Investieren für die Fahrgäste

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Seit 20 Jahren gibt es den einheitlichen VVO-Tarif für Busse und Bahnen. Doch was macht „der Verbund“ eigentlich? Was unterscheidet den VVO von den 14 Unternehmen, und wer hat welche Aufgabe? Im zweiten Teil einer Serie erläutern wir dies anhand des Bereichs „Finanzen“.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Partner beim Ausbau der Haltestelle Schloss Wackerbarth: Peter Kreher vom VVO (links) und Mino Weber von der DVB

Der Fördermittel-Verteiler:
Peter Kreher, Kaufmännischer Leiter im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO)

Wenn eine Baumaßnahme die Fahrt mit Bus und Bahn einfacher und komfortabler macht, hat sie gute Chancen, mit Geld aus dem VVO-Infrastrukturprogramm gefördert zu werden. „Das können Halte- und Übergangsstellen, Anzeigetafeln, P+R-Plätze oder Fähranleger sein“, sagt Peter Kreher, „oder auch einfach nur Haltestellenschilder. Im Regionalverkehr müssen Tausende schrittweise erneuert werden.“ Und genau diese Ersatzinvestitionen sind künftig ein wichtiges Thema für die Entscheider. „Bisher haben wir vor allem Neubau und grundhafte Sanierung gefördert“, so Kreher.

„In den vergangenen 20 Jahren wurde viel geschaffen, das sich nach wie vor gut bewährt, absehbar aber reparaturbedürftig wird.“ Die aktuellen Herausforderungen bei der Umsetzung von  Projekten sind jedoch die durch den Bauboom stark ausgelasteten Kapazitäten bei Planern und der Bauwirtschaft.

Die Gelder fürs VVO-Infrastrukturprogramm stammen aus den sogenannten Regionalisierungsmitteln des Bundes, die der Freistaat Sachsen an die ÖPNV Zweckverbände verteilt. Peter Kreher kann jährlich über rund zwei Millionen Euro für Haltestellen & Co. verfügen.  „Für eine Maßnahme stellen wir maximal 600.000 Euro bereit. Wenn im Ausnahmefall mehr bewilligt werden soll, entscheidet das der Zweckverband.“ Die Förderwünsche der Unternehmen und Gemeinden sind in einer ständig aktualisierten Liste zusammengefasst. Welches Projekt wann an die Reihe kommt, richtet sich vor allem nach der Zahl der Fahrgäste, die davon profitieren. Und  nach seinem Potenzial, neue oder zusätzliche ÖPNV-Kunden anzuziehen.

Der Antragsteller:
Mino Weber, Leiter Investitionssteuerung bei der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB)

„Anders als eine Spedition oder ein Taxiunternehmen“, so Mino Weber, „werden von uns nicht nur die ÖPNV Fahrzeuge beschafft, betrieben und instandgehalten, sondern auch die gesamte Gleis- und Fahrleitungsinfrastruktur samt den Straßenbahnhaltestellen vorgehalten. Aus den Fahrgeldeinnahmen allein lässt sich das nicht finanzieren.“ Deshalb sind die DVB wie alle Unternehmen des  öffentlichen Personennahverkehrs auf Fördermittel insbesondere für Investitionen angewiesen.

Laut Mino Weber stehen dafür die verschiedensten Förderprogramme zur Verfügung: aufgelegt vom Freistaat Sachsen, von der Bundesrepublik Deutschland und von der Europäischen Union – oder eben vom VVO. „Rund drei Viertel der Fördermittel beantragen wir beim Freistaat Sachsen; für Großprojekte wie die Stadtbahn Dresden 2020 werben wir auch Bundesmittel ein.“ Bei der EU kann die DVB Förderanträge stellen, wenn es beispielsweise um die Anschaffung von umweltfreundlicheren Fahrzeugen oder Projekten mit erheblichem CO2-Einsparungspotential geht. Und beim VVO vor allem dann, wenn der Komfort für die Fahrgäste an Haltestellen erhöht werden soll und weitere Fördermittel zur Absicherung der Finanzierung erforderlich sind.

Eines der jüngsten Beispiele ist die Haltestelle Schloss Wackerbarth der Straßenbahnlinie 4. Früher lagen die Stopps in beide Richtungen weit auseinander, waren unbefestigt und ebenerdig;
seit Oktober 2017 ist das Weingut auch mit Rollstühlen und Kinderwagen  bequem zu erreichen. Von den insgesamt 1,1 Millionen Euro, die der Ausbau kostete, kamen rund 300.000 Euro
aus dem VVO-Infrastrukturprogramm.

Mino Weber lobt den Verkehrsverbund Oberelbe als unbürokratischen Partner, der Anträge innerhalb kurzer Zeit bewilligt. Mit weiteren Vorhaben, besonders an Verknüpfungspunkten, wollen sich die DVB bald wieder an den VVO wenden.


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