Auf der Fahrt ins Osterzgebirge

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Oliver Neitzel kennt die Müglitztalbahn seit Kindertagen – und ist dort heute als Zugbegleiter unterwegs.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Ein klarer Gebirgsfluss, üppiges Grün, dazwischen steil aufragende Felsen: Nur wenige sächsische Eisenbahnstrecken sind so malerisch gelegen wie die der Regionalbahn RB 72 zwischen Heidenau und Kurort Altenberg. „Sehr spannend finde ich auch die fünf Tunnel“, sagt Zugbegleiter Oliver Neitzel. Schon als Kind habe ihn vor allem der Gleisbergtunnel bei Glashütte fasziniert, der bei einem halben Kilometer Länge so schnurgerade verläuft, dass man bei der Einfahrt bereits das sprichwörtliche Licht am anderen Ende sieht. „Manchmal durfte ich mir das sogar vorn beim Lokführer anschauen.“

In Geising aufgewachsen, ist Oliver Neitzel seit jeher viel mit der Müglitztalbahn unterwegs. Zur Schule fuhr er erst nach Lauenstein, dann nach Altenberg, in der Ausbildung zum Hotelfachmann pendelte er zwischen Dresden, Geising und Zinnwald. „Dabei schloss ich viele Bekanntschaften mit dem Zugpersonal“, berichtet er. „Mir gefiel diese Arbeit, die sowohl mit Menschen als auch mit der Eisenbahn und dem Reisen zu tun hat.“ Gleich nach dem Berufsabschluss ließ sich der Hotelfachmann deshalb zum Zugbegleiter umschulen. Und seit DB Regio die Strecke Ende 2021 wieder übernahm, ist die Müglitztalbahn häufig sein Arbeitsplatz. An Werktagen steigen vor allem Schüler und Pendler in den roten Dieseltriebzug, am Wochenende sind es je nach Jahreszeit Wanderer, Mountainbiker oder Skilangläufer. Für sie rollt zusätzlich zum Ein- oder Zwei-Stunden-Takt der RB 72 der Ski- und WanderExpress RE 19, der die Ausflügler in rund einer Stunde von Dresden ohne Umstieg ins Osterzgebirge bringt. „Vor allem bei viel Schnee ist der Express rappelvoll.“

Zwischen Heidenau und Altenberg überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von 634 Metern – was den Betrachter begeistert und das Zugpersonal vor Herausforderungen stellt. „Wetter, Laubfärbung oder Schneemenge verändern sich während der Fahrt spürbar“, so Neitzel. „An heißen Sommertagen kann die Steigung die Motoren aber manchmal auch überfordern. Dann müssen wir unterwegs eine Kühlpause einlegen, um die komplette Strecke bis Altenberg noch zu schaffen.“ Wie jede Verzögerung bringt das wiederum den eng gestrickten Fahrplan in Gefahr: Bei der Wendezeit in Altenberg, dem Treffen mit dem Gegenzug in Glashütte und dem Anschluss an die S-Bahn in Heidenau gibt es kaum Puffer.

Oliver Neitzel lässt jedoch nichts auf seine Lieblingsstrecke kommen: Um dort eingesetzt zu werden, übernimmt er als Dresdner Personal auch gerne eine Heidenauer Schicht. Und der heutige Wahldresdner mag es, an seinem Heimatort vorbeizufahren und alte Bekannte zu treffen. Wenn es zeitlich passt, kommen seine Eltern zum Geisinger Bahnhof, um kurz „Hallo“ zu sagen. Manchmal, wenn im Zug nicht viel los ist und alle Fahrkarten kontrolliert sind, beobachtet er den Gleisbergtunnel zusammen mit dem Lokführer auch wieder von vorn – denn die „Eisenbahnerfamilie“ ist es, die diese Arbeit für ihn zum Traumberuf gemacht hat.

Zur Geschichte

  • Zwischen dem heutigen Heidenau und Geising ging 1890 eine Schmalspurbahnstrecke in Betrieb; 1923 wurde Altenberg angeschlossen.
  • Nach einem Hochwasser baute man sie in den 1930er-Jahren in Normalspur wieder auf.
  • Seit Ende der 1990er-Jahre bestellt der VVO die Fahrleistungen auf der 38 Kilometer langen Strecke mit insgesamt 15 Bahnhöfen und Haltepunkten.

Weitere Informationen

Dieses und weitere Themen finden Sie in der Kundenzeitschrift des VVO – OberelbeTakt – 2. Ausgabe 2024.

Fotos: Oliver Neitzel


3 Kommentare

  1. Klaus may

    schön das es diese Bahn noch gibt.
    und auch alle anderen schmalspurbahnen.
    wohne in Rosswein, wo ist die Bahn von Döbeln nach Meißen.
    die Busse sind immer voll, und unzuverlässig durch viele Baustellen.
    ich dachte wir müssen was für die Umwelt tun.
    es ist leider nicht so.
    bin jetzt in der Schweiz gewesen, BERNINA Bahn, furka Dampfbahn,
    ein Traum.
    warum kann die Bahn nicht davon lernen
    z.b. Autozüge.
    viele Grüße aus dem striegistal
    Museumsbahnhof berbersdorf/striegistal
    Klaus
    Vorsitzender Verein

  2. C.schöffel

    wunderbar diese Bahn und es war mein 1.Ausflug mit der deutschlandkarte….freundliche Grüße bald komme ich wieder und erfreue mich an ihr und der tollen Landschaft

  3. Ronald Sonntag

    Ich kenne die Strecke gut, wenn auch in einem anderen
    bahntechnischen Zustand.
    von 1980-1983 habe ich als Fahrdienstleiter in Burkhardswalde-Maxen, Niederschlottwitz und Glasütte gearbeitet.
    Fahrdienstleiter gleich im Anschluss an die Facharbeiterausbildung – ich habe unheimlich viel gelernt.
    Vor allem der sog. „Vereinigte Dienst“, also Fahrdienstleiter, Aufsicht, Fahrkartenverkäufer, Arbeit in der Güterabfertigung, Expressgut, Reisegepäck, die ganze Bandbreite des damaligen Berufszweiges „FA für Eisenbahntransporttechnik“ durfte ich besonders in Burkhardswalde anwenden.
    Es war eine tolle Zeit, an die ich gern zurückdenke.

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