Das Dieselnetz wird rot

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DB Regio macht Fahrzeuge und Personal für die Betriebsübernahme fit, denn ab 13. Dezember 2021 fährt die DB Regio auf den Strecken von Dresden nach Kamenz und Königsbrück, durch das Müglitztal und zwischen Pirna und Sebnitz. Ein Gespräch mit Stephan Naue über den Stand der Vorbereitungen.

Birgit Hilbig / DDV Mediengruppe

Stephan Naue, Leiter Produktmanagement Sachsen, steht Rede und Antwort
Stephan Naue, Leiter Produktmanagement Sachsen, steht Rede und Antwort

Wann hat DB Regio den Zuschlag fürs VVO-Dieselnetz erhalten?

Nachdem die Ausschreibung Ende Januar 2020 bekannt gemacht worden war und wir im Mai die Bewerbungsunterlagen abgegeben hatten, fiel auf der Zweckverbandsversammlung am 3. Juni die Entscheidung.

Mit welchem „Startkapital“ kann das Unternehmen punkten?

Wir müssen die Fahrzeuge nicht kaufen oder leasen, sondern können auf bundesweite DB-Bestände zurückgreifen. Zudem verfügen wir über eine eigene Werkstatt in Dresden, die mit dem Fahrzeugtyp auch schon viel Erfahrung hat. Darüber hinaus haben wir einige Mitarbeiter, die die Strecken noch aus der Zeit vor der Übernahme durch die Städtebahn kennen. Bis Dezember 2010 waren sie ja schon einmal von DB Regio betrieben worden.

Um wie viele Fahrzeuge von welchem Typ handelt es sich?

Vorgesehen sind insgesamt 21 Dieseltriebwagen vom Typ Desiro, der auch bisher schon im Dieselnetz unterwegs war. Das sind sechs Stück mehr als zuvor: Damit können wir die geplante Taktverdichtung im Berufsverkehr zwischen Dresden und Kamenz abdecken und haben auch eine größere Reserve als die bisherigen Betreiber. Natürlich kommen diese Fahrzeuge im roten Design der Bahn daher.

Wie werden sie für den neuen Einsatz fit gemacht?

Die Dieseltriebwagen werden komplett renoviert und mit WLAN, Steckdosen und Bildschirmen zur Fahrgastinformation ausgestattet. Damit beginnen wir zwar noch in diesem Jahr, doch die ersten fertigen Fahrzeuge werden erst ab Februar 2022 im Netz auftauchen. Grund dafür ist die sehr aufwändige Zulassung. Bis Ende 2022 sollen dann alle Fahrzeuge „schick“ sein.

DB Regio macht Fahrzeuge und Personal für die Betriebsübernahme fit.
DB Regio macht Fahrzeuge und Personal für die Betriebsübernahme fit.

Und wie sieht es mit dem Personal aus?

Wir haben zum ersten Mal eine Ausschreibung gewonnen, die die Übernahme des Personals vom vorherigen Betreiber vorsieht. Unter anderem wegen der Taktverdichtung Dresden – Kamenz benötigen wir aber noch weitere Mitarbeiter, die wir jetzt kurzfristig für die speziellen Strecken und Fahrzeuge ausbilden. Insgesamt werden rund 60 Triebfahrzugführer und 50 Kundenbetreuer für den Betrieb des Dieselnetzes benötigt.

Sicher gibt es auch „Drumherum“ noch viel zu bedenken …

Neben den Personal- und Fahrzeugfragen fallen unendlich viele Kleinigkeiten an. So müssen unter anderem neue Räume für Einsatzstellen angemietet und ausgestattet und Gespräche mit DB Netz über Streckensicherheit und Rangierwege geführt werden. Ein weiteres Detail sind die automatischen Ansagen in den Zügen. So haben wir beispielsweise beauftragt, dass der sorbische Name von Kamenz von einer Sorbin eingesprochen wird.


12 Kommentare

  1. Dr. Peter Münzberg

    Liebe DB,
    wenn Sie auf Bestandsfahrzeuge des DB ses Typs Desiro zurückgreifen, werden Sie wohl keine Barrierefreiheit für diese Fahrzeuge nachweisen können. Nach den von Ihnen bereits vor längerer Zeit übermittelten Informationen haben diese Desiro keine Schiebetritte, so dass eine Überbrückung des erheblichen Spaltes zwischen Fahrzeug und Bahnsteig nicht möglich ist. Auch wenn Sie den Spalt (und die an einigen Stationen nach wie vor vorhandenen Höhendifferenz) für Fahrgäste im Rollstuhl mit einer mobilen Rampe überbrücken (diese bitte in Türnähe positionieren), ist für alle anderen Fahrgäste (u.a. Blide/Sehbehinderte, Senioren und Rolatorutzer, Gehbehindertte, Kinder, Eltern mit Kinderwagen) der Ein- und Ausstieg nicht barrierefrei. Das steht im Widerspruch zum novellierten Bundesverkehrsgesetz, das bekanntlich ab 01.01.2022 die vollstänge Barrierefreiheit fordert.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Herr Dr. Münzberg, der DB Regio und uns ist bewusst, dass die fehlende Spaltüberbrückung ein Hindernis darstellt. Um dies abzumildern, haben wir eine 100%-ige Zugbegleiterquote festgelegt. So ist immer eine helfende Hand an Bord. Viele Grüße

      1. Dr. Peter Münzberg

        Sehr geehrter Herr Schlemper,
        Ihre Antwort auf meinen Kommentar kann ich leider nicht akzeptieren. Auch mit einem Zugbegleiter (wenn er denn tatsächlich da ist, ich habe auch schon Anderes erlebt), kann die DB maximal an einer Tür (und das wird in der Regel die am Mehrzweckabteil sein) die mobile Rampe anlegen bzw. manuelle Hilfe für die anderen von mir benannten Fahrgäste leisten. Bisher ist das Anlegen der Rampe auch nur für Rollstuhlnutzer zugesagt. Es ist wohl auch kaum realisierbar, dass alle hilfebedürftigen Fahrgäste nur an dieser Türe ein- und aussteigen, weil sie dann die aus Fahrzeitgründen ohnehin knapp bemessene Aufenthaltsdauer des Zuges am Bahnhof/Haltepunkt verlängern. Von einer umfassenden Barrierefreiheit, wie im Nahverkehrsgesetz berechtigt gefordert, kann man da wohl kaum sprechen.
        Ich denke, dass sich das Team des vom Freistaat Sachsen geförderten Projektes „ÖPNV/SPNV für alle“ mit dem VVO und der DB zusammensetzen wird, um ggf. ergänzende Lösungen zu beraten.
        MfG P.M.

        1. Eisenbahner1609

          Hallo Herr Dr. Münzberg,

          ich wollte mich hier jetzt auch mit einmischen. Der 642 der MRB, welcher zur Zeit im Einsatz ist hat auf jeden Fall ein Trittbrett, welches die Lücke zwischen Bahnstieg und Zug überbrückt. Falls die DB auf modernisierte 642 zurückgreift, werden auch diese Trittbretter haben. Es kann aber auch sein, dass die DB auf ältere 642 zurückgreift, die kein Trittbrett haben.

          MfG Eisenbahner1609

          PS: Hier unter 4. finden Sie bei der Erzgebirgsbahn Trittbretter 🙂
          http://www.janroembach.de/13.html

          1. Sandra Petzold

            Hallo Eisenbahner1609, die DB Regio AG wird in der Tat Züge ohne Schiebetritte einsetzen. Daher haben wir ja in unserer ersten Antwort bereits auf den flächendeckenden Einsatz der Zugbegleiter hingewiesen. Viele Grüße

      2. Karl

        Die helfende Hand ist eine gute Ausrede aber keine 100% ernst gemeinte Lösung einfach nur wieder Kosten sparen wollen…

        1. Christian Schlemper

          Hallo Karl, da der Nahverkehr aus Steuermitteln finanziert wird und unser Budget endlich ist, haben wir die Wahl, Kosten im Griff zu haben oder die Taktverdichtungen der letzten Jahre rückgängig zu machen und das Angebot auszudünnen. Wie der Nahverkehr finanziert wird, können Sie hier unter https://blog.vvo-online.de/von-verantwortung-und-dem-lieben-geld/ nachlesen. Viele Grüße

    2. Alex aus KM

      Hallo Herr Dr. Münzberg,
      selbstverständlich kann ich Ihren Unmut über die ab Dezember 2021 verschwindenden Schiebetritte verstehen, aber hier sollte man vielleicht die Theorie und Praxis vergleichen.

      Theoretisch haben die derzeit fahrenden 642er auf dem Dieselnetz zwar aus- und einziehbare Schiebetritte, ABER in der Praxis kommen Sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht oder selten zum Einsatz.

      a) generelle hohe Störanfälligkeit der Technik (z.B. im Winter durch das Streugut, was zum Verklemmen der Schiebetritte führen kann – Verspätungen – Ausfall)

      b) Stand 08.04.2021 sind die Bahnhöfe/Haltepunkte Bischheim-Gersdorf, Kleinröhrsdorf, DD-Klotzsche und DD Industriegelände noch nicht Barrierefrei (auch nicht bis 31.12.2021) und die Schiebetritte somit nicht nutzbar

      Selbstverständlich gebe ich Ihnen Recht, dass es für mobilitätseingeschränkte Personen bzw. Ihrem erwähnten Personenkreis nicht die beste Lösung ist, aber auch ich Denke es kann – trotz fehlender Schiebetritte – zum heutigen Ist-Stand nur Besser werden.

      Heute, bzw. seit einer langen Zeit, gleicht die Funktionstüchtigkeit der Schiebetritte einem Glückspiel und wenn noch Pech dazu kommt ist nicht mal ein Kundenbetreuer vorhanden, der schnell und unkompliziert die Rampe anlegen könnte.

      Ab Dezember wird dann aus dem heutigen Glücksspiel, ein planbarer Zustand ohne Schiebetritten – ABER mit einer 100% Kundenbetreuerquote. Und da bin ich mir sicher, wer immer Hilfe benötigt, dem wird heute schon selbstverständlich geholfen und ab Dezember ebenso.

      Liebe Grüße aus Kamenz

  2. Andreas B.

    … Herr Dr. Münzberg, wenn Sie so klug sind, die DB gibt es seit dem 01.01.1994 nicht mehr… und hat es hier auch nicht gegeben…

  3. Tobby

    Ach Alex aus KM,
    nich immer Unwarheiten verbreiten!

    Alle Desiros sind vom WERK aus mit „Schiebetritt-Kasetten“ ausgerüstet! Auch die STS /MRB ( Eigentümer Alpha-Trains) haben dies.
    Insbesondere VT 642 331 und VT 642 332 ( ex . DB AG / ex. Kahlgrundbahn) ) sind bereits damit ausgerüstet.

    Mit der „Modernisierung“ der „neuen“ -alten Desastros im Werk der ERZGIBIGSBAHN in Chemnitz, werden auch die zukünftigen VT 642 für DB Redio Südost / Standort Dresden-Altsadt , nach und nach mit den S… Schiebetritten ausgerüstet.

    Also kann sich Herr Münzberg freuen.

    T.W.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Tobby, in der Tat erhalten die Triebwagen keine Schiebetritte. Aus diesem Grund haben wir eine Zugbegleiterquote von 100% vorgeschrieben. Viele Grüße

      1. Tobby

        Hallo Herr Schlemper, na das ist doch ein Schritt zurück, bevor der Schritt vorrangeht,

        Div, Bahnsteige sollen bis 2028 behinderdengercht ausgebaut werden. Die neuen fast „20Jahren alten Fahrzeuge“ haben die Ausrüstung für diese Bahnsteige nicht.(sollen diese nicht bekommen) (bei der SBS war es PFLICHT!)

        Hier denkt doch der Schelm nichts böses: Das ging wieder auf kosten der Ausschreibung!
        Hat der VVO bis heute nicht gelernt!!! Billig ist nicht das optimale.

        Als altgedienter Eisenbahner , ( E-Monteur und Lokführer )können sie es glauben, nur vom Geld allein, kann ein vernünftiger Eisenbahn-Betrieb nicht funktionieren.
        Da gehört Enthuiasmus, ein Fabel für die Bahn und eine gehörige Einsatzbereitschaft dazu.
        Und sollten auch die Landräte , Herr Harig und Herr Geissler mal überlegen, was wichter ist: Pünktliche Züge und zufriededenes/freundliches Personal./Fahrgäste
        Oder ob das WLAN in jedem Zug verfügbar ist, damit dann der letzte Fahrgast nur noch auf das Handy klotz /spielt.

        Ich denke, zurück zu den Wurzeln. Eisenbahnverkehr, der funktioniert, ohne Spielereien, ohne Schnikschnak. Funktouinell und einfach,

        Tobby.

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