Immer einen Schritt voraus

| 2 Kommentare
Kategorie: Was geht?, Was noch?, Was rollt? | Stichwörter: , , , ,

Aus der Regionalbahn RB 34 ist die S 8 geworden. Die neue S-Bahn-Linie verkehrt im dichten Takt zwischen Dresden, Radeberg und Kamenz. Prof. Dr.- Ing. Rainer König, bis 31.03.2022 am Lehrstuhl für Bahnverkehr, Öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr der Technischen Universität Dresden, erläutert die Bedeutung einer sinnvollen Metropol-Regionen-Strategie und wo er noch Redebedarf sieht.

Nils Brabandt/Konzept Konzept

Prof. König vor der neuen S-Bahnlinie S 8
Mein Wunsch wäre es, dass die Wissenschaft stärker in ihrer Rolle als Vordenker bei Mobilitätskonzepten und neuen Ansätzen gefordert wird. Wir haben sowohl bei den Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch den Studierenden so viele Potenziale und Motivation, die wir noch nicht genügend abrufen. Eine stabile Partnerschaft im Sinne eines ‚Kreativitätscenters Nahverkehr‘ könnte ein Ansatz sein.“ Als passionierter Bahnfahrer freut er sich über pünktliche Züge und gelungene Anschlüsse. Prof. Dr.-Ing. Rainer König

Schimpfen Sie eigentlich ab und zu auf Bus oder Bahn?

Das passiert mir leider bei Ankünften mit dem Schienennahverkehr in Dresden-Neustadt aus Richtung Langebrück. Hier gibt es zu oft Verspätungen im Bereich von fünf Minuten und mehr, sodass man für das Erreichen eines Eckanschlusses, beispielsweise nach Meißen oder Leipzig, einen Nahverkehrszug früher nutzen muss. Das ist für mich Verlust wertvoller Arbeits- und Familienzeit und nur schwer zu tolerieren.

Linie S 8 statt RB34 – ist das alter Wein in neuen Schläuchen?

Nein, das ist mehr als nur eine Namensänderung. Dahinter steht ein Konzept zur Weiterentwicklung des S-Bahn- und des S-Bahn-Verdichtungsnetzes um die Landeshauptstadt Dresden herum. Ich hoffe sehr, dass die Erfahrungen mit der S 8 zu einer Ermutigung für weitere Schritte führen.

Für Prof. Rainer König ein wichtiger Baustein im Verkehrskonzept: die neue S-Bahn-Linie S 8.

Es sind noch weitere S-Bahnen geplant. Welche Rolle spielen diese im Verbund?

Weitere S-Bahnen beziehungsweise ein S-Bahn-Verdichtungsnetz zur Anbindung von Regionen machen Sinn. Sie können zu Fahrgastnutzen und damit auch zu Fahrgastzuwachs beitragen, wenn wichtige strategische Ausgangsüberlegungen und Randbedingungen eine Chance zur Umsetzung finden. Das betrifft zuerst die Entwicklung eines S-Bahn-Angebotes zwischen Metropole und Metropolregion, welche konsequent der Raum- und Siedlungsplanung folgt – oder, besser noch, die den sich ergebenden Verkehrsströmen vorauseilt. Denn das bietet für die Menschen ein klares zukunftsorientiertes Signal. Ein definiertes S-Bahn-Zielnetz einschließlich eines verbundenen S-Bahn-Verdichtungsnetzes stellt für den gesamten Raum das tragende Nahverkehrsangebot auf der schnellen Schiene dar. Dazu gehört an den Systemschnittstellen auch die Kombination des S-Bahn-Angebots mit der Nutzung von privaten Fahrzeugen der Fahrgäste oder die Berücksichtigung von Kundenanforderungen im Kontext mit Sharing-Angeboten. Bei den S-Bahnen selbst sind die Infrastruktur, Fahrzeuge und die Betriebsführung abzustimmen und zu einem Standard zu entwickeln. Alle drei Maßnahmenbündel vereinen sich idealerweise in einer zukunftsfähigen S-Bahn-Kultur für Metropole und Metropolregion.

Welche Rolle spielt dabei der PlusBus?

Der PlusBus ist ein äußerst wertvoller Partner im Verbund mit den S-Bahnen, sofern abgestimmte Umstiegsmöglichkeiten mit geringen Wartezeiten für die Fahrgäste bestehen. S-Bahn und PlusBus sind beide auf ein Angebot mit minimalen Reisezeiten orientiert.

Als passionierter Bahnfahrer freut er sich über pünktliche Züge und gelungene Anschlüsse.

Wie läuft aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit bei der Verkehrsplanung?

Wir arbeiten in diesem Bereich sehr eng zusammen. Ein gutes Beispiel sind unsere Untersuchungen und Simulationen zu Betriebskonzepten für die S-Bahn zwischen Meißen und Pirna, die die TU Dresden und der Verkehrsverbund Oberelbe gemeinsam durchführten. Auf der neuen und leistungsfähigeren Infrastruktur haben wir eine Steigerung der Fahrgast- und Zugzahlen erreicht und das Tag für Tag bei einem auch wirtschaftlich sinnvollen Angebot. Mein Wunsch wäre es, dass die Wissenschaft stärker in ihrer Rolle als Vordenker bei Mobilitätskonzepten und neuen Ansätzen  gefordert wird. Wir haben sowohl bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch den Studierenden so viele Potenziale und Motivation, die wir noch nicht genügend abrufen. Eine stabile Partnerschaft im Sinne eines „Kreativitätscenters Nahverkehr“ könnte ein Ansatz sein.

Sind die Menschen bereit für die Verkehrswende?

Ich denke schon. Die Einsicht wächst und die Angebote werden sowohl in der Breite als auch in der Tiefe besser. Für ein systemisches, also ganzheitliches S-Bahn-Angebot für eine Metropole und die zugehörige Metropolregion braucht es auch ein vorausschauendes und intensives Marketing für dieses Systemangebot. Hier sehe ich beim VVO noch Potenzial. Vor allem im Sinne einer verbund­über­greifenden Kommunikation und Werbung.

Weitere Informationen

 


2 Kommentare

  1. Fischer

    Sehr Witzig! Die neue S 8 würde ich eher als Chaosbahn bezeichnen.

    1. Sandra Petzold

      Hallo Fischer, leider kann ich Ihnen im Moment nicht widersprechen. Das derzeitige Angebot ist nicht die Leistung, die der VVO von der DB Regio erwartet. Wir haben hier erklärt, warum es gerade bei der DB klemmt: https://www.vvo-online.de/de/aktuelles/news/Einschraenkungen-DBRegio-7111.cshtml
      Viele Grüße

Kommentar verfassen

* Pflichtfelder bitte ausfüllen
Die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse ist freiwillig.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht und nicht weiter verarbeitet.