Quer durchs Land

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Handy schnappen, Ziel eingeben, Ticket kaufen – ab geht die Reise mit dem digitalen Fahrscheinautomaten quer durch Sachsen! Mit Sachsen mobil lassen sich im Freistaat ab sofort durchgehende Reiseketten buchen. Die Projektverantwortlichen Anett Soujon (AS) vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund, Francis Doege (FD) vom VVO, Matthias Wirker (MW) vom Verkehrsverbund Mittelsachsen, Jaroslav Rejzek (JR) vom Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien sowie Andreas Herold (AH) vom Verkehrsverbund Vogtland berichten über die Zusammenarbeit.

Nils Brabandt/Konzept Konzept

Besonders Touristinnen und Touristen oder Autofahrerinnen und Autofahrer haben sofort die Kosten im Überblick und lernen die Attraktivität von Bus und Bahn kennen.“ Jaroslav Rejzek

Wer könnte mir denn mal die Idee hinter Sachsen mobil erklären?

AS Vor etwa vier Jahren erklärte der Freistaat den Wunsch, dass sich der Ticketverkauf in Sachsen vereinfachen soll und die Verbünde prüften daraufhin verschiedene Lösungsansätze. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit Sachsen mobil innerhalb der Apps HandyTicket Deutschland und MOOVME verknüpfen wir nun die Tarife aller fünf sächsischen Verkehrsverbünde sowie den Deutschlandtarif. Die Fahrgäste können über ihre gewohnte App problemlos einen Fahrschein für die Strecke von beispielsweise Dresden nach Leipzig kaufen. Dafür errechnet das Ticketsystem den günstigsten Preis. Sogar die Erweiterbarkeit nach Tschechien oder Sachsen-Anhalt ist möglich. Nur in der jeweiligen App mussten sich die Nutzerinnen und Nutzer etwas umstellen. Mittlerweile ist das aber kein Problem mehr.

Wie wurde die Kombination der Tarife umgesetzt?

FD Jeder Tarif in den Verbünden basiert auf einer anderen Berechnungslogik und differenzierten Produktsortimenten. Sogar scheinbar triviale Themen wie die Ermäßigungsregeln für Kinder oder Senioren sind überall verschieden. Deswegen mussten wir die Tarife zunächst in ein digitales Format umsetzen. Zum Glück gab es dafür eine Lösung aus Sachsen. Das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme hatte bereits einen bundesweiten Standard entwickelt. Und gemeinsam mit den dortigen Fachleuten gelang uns die einheitliche Umsetzung in einen Tarifrechner. Dieser kann für jede Verbindung die geeigneten Angebote ermitteln. Dabei werden auch Mitreisende, Gepäck, Fahrräder und Hunde berücksichtigt. In den beiden Apps werden diese Angebote dann für den Kunden aufbereitet, sodass in der Regel das beste Angebot an erster Stelle steht. Aber die Kunden können einzelne Tickets problemlos tauschen.

Von der Technik überzeugt: Francis Doege und Matthias Wirker (re.) im Gespräch.

Was erhoffen sich die Verbünde auf Dauer davon und wer ist die Zielgruppe?

JR Mit dem digitalen verbund­über­greifenden Angebot wollen wir hauptsächlich Gelegenheitsfahrer ansprechen, die Sachsen mit dem ÖPNV erkunden wollen oder direkt Sehenswürdigkeiten besuchen möchten. Dabei können sie diese größeren Distanzen kostengünstig zurücklegen. Mit Sachsen mobil bekommen sie ein einfach zu bedienendes und nutzerfreundliches Werkzeug in die Hand, um flächendeckend ihre selbstgewählten Reiseketten durch Sachsen zu planen. Besonders Touristinnen und Touristen oder Autofahrerinnen und Autofahrer haben sofort die Kosten im Überblick und lernen die Attraktivität von Bus und Bahn kennen.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen den Verbünden und was kostete die Entwicklung?

MW Aktuell nutzen die Verkehrsverbünde in Sachsen das digitale Vertriebssystem von HandyTicket Deutschland und das durch den Mitteldeutschen Verkehrsverbund favorisierte neue  Vertriebssystem, MOOVME. Es mussten also rechtliche und technische Lösungen für beide Systeme gefunden werden. Der Projektbeginn war 2018 und startete mit monatlichen Treffen. Ab 2020 gab es dann pandemiebedingt wöchentliche Abstimmungstermine per Online-Konferenz. Diese eng terminierten Statusgespräche waren sehr effektiv für die zielorientierte Zusammenarbeit.  Insgesamt kostete die Entwicklung der Vertriebs­system­erweiterung Sachsen mobil für die Systeme HandyTicket Deutschland und MOOVME ca. 1,85 Millionen Euro, von denen der Freistaat 1,4 Millionen Euro übernommen hat.

Andreas Herold hofft auf mehr Fahrgäste durch den Abbau von Zugangshemmnissen

Gibt es weitere ähnlich gelagerte Projekte für eine verbundübergreifende Zusammenarbeit?

AH Die Zusammenarbeit der Verbünde wurde mit dem Projekt gestärkt und wird über die kommenden Jahre weiterwachsen. Das freut uns selbst sehr und bietet den Fahrgästen wirklich einen großen Mehrwert. Denn ab sofort haben die Fahrgäste einen persönlichen Fahrscheinautomaten für alle Nahverkehrsmittel Sachsens in der Tasche. Das dürfte bei einigen Bürgern durchaus ein Zugangshemmnis zum öffentlichen Personennahverkehr beseitigen. Auch wenn die technische Umsetzung nicht ganz trivial war, haben wir gemeinsam die Hürden gemeistert. Sachsen mobil ist somit ein wichtiger Baustein Richtung Zukunft und bietet eine wichtige technische Grundlage für den künftigen SachsenTarif.

Zahlen . Daten . Fakten

5 Verkehrsverbünde und den Deutschlandtarif inkludiert Sachsen mobil. 3.720 Tickets wurden bereits über neun Verkehrsunternehmen verkauft.

Ein Klick vom besten Angebot entfernt. Sachsen mobil hat die sächsischen Verkehrsverbünde noch ein Stück näher zusammen gebracht.

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