Verkehrswende: Die Zukunft der Eisenbahn im VVO

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Mit dem Zug fahren heißt, aktiv das Klima zu schützen. Der VVO fördert den einfachen Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr seit seiner Gründung im Jahr 1998: mit modernen Fahrzeugen, dichten Takten, Park+Ride-Anlagen an wichtigen Knotenpunkten und einem einfachen Preissystem.

Von Christian Schlemper

Alleine in den letzten 15 Jahren hat die Zahl der Reisenden um über 22 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung möchten wir weiter vorantreiben und entwickeln Ideen für die Zukunft.

Twindexx für die S-Bahn

Twindexx im Hauptbahnhof Dresden

Die Nachfrage auf der S-Bahn Dresden wächst stark: Von 2012 bis 2018 kletterte die Zahl der Personen-Kilometer um 18 Prozent, bis 2030 rechnet der VVO mit einem Wachstum um 57 Prozent. Dabei fahren schon heute einige Züge an der Kapazitätsgrenze. Der VVO hat daher mit der DB Regio den Einsatz von Twindexx-Triebköpfen des Herstellers Bombardier getestet. Diese können die bisher auf den Linien S 2, S 3 und den Verdichterzügen der S 1 eingesetzten Lokomotiven ersetzen und die Platzkapazität um rund 40 % erhöhen. Dabei sparen sie durch umweltfreundliche Antriebstechnologie jährlich 1.300 Tonnen CO2 ein. Zudem stammen die Triebköpfe aus den Werken in Bautzen und Görlitz und ein Einsatz stärkt den Industriestandort Sachsen.

Taktverdichtungen

Zukunftsprojekte für die Schiene

Gern möchten wir das Angebot zwischen Dresden und Kamenz in der Haupt­verkehrs­zeit auf einen 30-Minuten-Takt verdichten. Seit 2012 ist die Zahl der Personen-Kilometer auf dieser Strecke um 29 Prozent gestiegen und neue Gewerbeansiedlungen und Wohngebiete werden sie weiter steigen lassen. Zudem plant der VVO den Ausbau der Strecke Dresden – Königsbrück und die Einführung eines 30-Minuten-Taktes bis Ottendorf-Okrilla. Mit einer neuen S-Bahn Linie nach Riesa möchten wir den Takt zwischen der Landeshauptstadt und der zweitgrößten Stadt im Landkreis Meißen ebenfalls auf 30 Minuten verdichten.

Finanzierung

Zu diesen Projekten steht der VVO im engen Kontakt mit dem Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, da sie aus dem aktuellen Haushalt des Verbundes nicht finanzierbar sind. Der Freistaat Sachsen erhält seit diesem Jahr mehr Geld für den Eisenbahnverkehr von dem Bund, um die Verkehrswende voranzubringen. Daher hofft der VVO, von einem Teil dieser Mittel die Projekte teilweise umsetzen zu können, um gemeinsam mit der Staatsregierung den Eisenbahnverkehr zukunftsfest zu machen.

Detaillierte Informationen können Sie in einer kompakten Broschüre unter www.vvo-online.de/verkehrs­wende nachlesen.


12 Kommentare

  1. Matthias Kreutzmann

    Matthias K.
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Twindexx – Triebkopfzug dürfte abgefahren sein oder glaubt man beim VVO in Zeiten von Corona noch an eine Finanzierung dieser Triebköpfe?
    Wie ist der derzeitige Stand zu diesem Thema? Eher noch gut 8 Jahre mit einer alten E-Lok Baureihe oder bemüht man sich um modernere Loks aus anderen Teilen des Landes? Die Baureihe 143 ist ziemlich abgerockt und bedarf eigentlich einer intensiveren Wartung, aber in Zeiten von Ausschreibungswahn darf ja beim VVO nur der billigste Anbieter die Leistung fahren…, also wird sich die Zuverlässigkeit dieser Baureihe nicht gerade verbessern.

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias K.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Matthias K., der Einsetz der Züge hätte, wie ja auch im Flyer beschrieben, zwei positive Nebeneffekte: erstens erhöhen wir die Kapazität und zweitens stärkt man die Bahnindustrie in Sachsen. Beides leistet ein reiner Loktausch nicht. Die DB hat sich zudem mit dem Einsatz der BR 143 beworben. Die Lokomotiven sind zwar schon älter, werden aber regelmäßig gewartet – das hat die DB bestimmt in ihr Angebot einkalkuliert. Viele Grüße

  2. Ronald Kretzschmar

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hoffentlich macht man nicht den Fehler, die BR 143 gleich zu verschrotten. Eigentlich soll sie ja nur noch für die kurzen Zweiwagenzüge eingesetzt werden, da man für die Vierwagenzüge (Saison: Fünfwagenzüge) der S1 zur Einsparung eines Umlaufes die Fahrzeiten gekürzt hat, als die neuen und stärker motorisierten Loks kamen. Deren Verfügbarkeit wurde aber offensichtlich stark geschönt. Weil: neu und modern muß ja besser sein als das olle Zeugs aus der DDR. So sieht man seither regelmäßig 143er vor mehreren der langen S1-Züge gleichzeitig. Zum Glück sind sie noch da.
    Niemand kann sich ernsthaft sicher sein, daß das beim Twindexx besser sein wird. Wie sind denn so die Erfahrungen andernorts?
    Auch will ich die Verlängerung der Zweiwagenzüge durch die Twindexxe erst sehen. Zwar steht Dresden-Altstadt voller (defektes?) Wagenmaterial (man vergleiche mal mit den leergekehrten Betriebshöfen der DVB an Werktagen). Aber: solange man auf der S2 und S3 nicht selten mit einstöckigen und gerade mal dreitürigen „Hamstern“ rumfährt, die außerdem kaum Fahrrad- und Gepäckkapazität haben, befürchte ich eher, daß die Twindexxe regelmäßig neben der 143er auch gleich noch den Doppelstockmittelwagen mit ersetzen und es so bei Zweiwagenzügen bleibt, nur daß die Triebfahrzeugverfügbarkeit aus Wirtschaftlichkeitsgründen knapp sein könnte. Eine Lokführerin aus dem Ruhrgebiet kennt noch die Situation vom Beginn ihrer Berufslaufbahn Ende der 80er Jahre, daß sie manchen Tags gar nicht fuhr, weil Triebfahrzeuge nicht verfügbar waren. Das änderte sich erst Anfang der 90er, als man sich für des ehemalige DB-Gebiet einige hundert zuverlässige 143er, 155er und 232er weiter ostwärts abholen konnte.
    Neue Eisenbahnfahrzeuge sollten dem Stand der Technik entsprechen und dann aber viele Jahrzehnte genutzt werden. So spart das umweltfreundlichste motorisierte Verkehrsmittel tatsächlich Ressourcen und CO2. Nur wegwerfen, weils nicht neu ist, ist kein Umweltschutz.
    Was man noch tun könnte, um die Attraktivität des Bahnverkehrs zu erhöhen: Abstimmung von Fenster- und Sitzteilung nach SBB- oder DR-Vorbild.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ronald Kretzschmar

    1. Eisenbahner1609

      Hallo Ronald Kretschmar
      ich stimme dir in allen Punkten zu. Außerdem
      bin ich der Meinung, dass die BR 445 bei
      einem Oberleitungsschaden keine Chance
      hat, da sie nur einen Stromabnehmer hat.
      Ich bin auch ein großer Fan der BR 143.
      LG Ein Eisenbahner

  3. ein Fahrgast

    Es wäre schön, wenn die Abfertigung der S-Bahnen mal zügiger von statten gehen würde. Immer, wenn ich in Berlin mit der S-Bahn fahre, wundere ich mich jedesmal, wie schnell dort, im Vergleich zur S-Bahn-Dresden, der Fahrgastwechsel und die Abfahrt des Zuges geschieht.

    In Dresden muss der Lokführer aus dem Fenster schauen, dann wird vielleicht noch auf zum Zug rennende Fahrgäste gewartet, durch die Doppelstockzüge müssen auch mehr Fahrgäste durch weniger Türen, Radfahrer, die den Fahrgastwechsel noch weiter verzögern und und und….

    In Berlin kommt ein Abfahrtssignal, die Türen schließen und der Zug fährt einfach los… und vor allem die Beschleunigung der Berliner S-Bahn, da sind die Dresdner Doppelstockzüge ja reine Schildkröten…

    1. Eisenbahner1609

      Meckern, meckern und meckern…

      Nee, nee, nee

      Lieber „ein Fahrgast“,
      ist dir vielleicht schon mal aufgefallen, dass in Berlin die Züge öfter kommen und man deswegen auf den nächsten Zug wartet anstatt zu hetzen. Außerdem warten die Lokführer bei der S-Bahn Dresden auch mal auf einen heraneilenden Fahrgast, weil sie wissen, dass der Zug nur einmal in der Stunde fährt. Da in Berlin auch viel mehr Fahrgäste unterwegs sind, können die Lokführer dort nicht auf jeden warten. WUSSTEST DU, DASS DIE S-BAHN DRESDEN DIE BESTE KUNDENZUFRIEDENHEIT DEUTSCHLANDS HAT!!!
      LG Ein Eisenbahner

      1. ein Fahrgast

        Sie sehen konstruktive und berechtigte Kritik als Meckerei? Na dann gute Nacht.

        Es soll ja tatsächlich Fahrgäste geben, die pünktlich am Bahnhof sind und gern auch pünktlich am Ziel ankommen wollen.

        1. Eisenbahner1609

          Lieber „ein Fahrgast“,

          ja ich gebe zu das ich das mit dem „meckern“ übertrieben habe und ich verstehe auch, dass man als Fahrgast pünktlich ans Ziel kommen will. Aber die S-Bahn Dresden war 2019 trotz vieler Baustellen im Elbtal zu 97% Pünktlich. Der Bundesdurchschnitt für die S-Bahnen in Deutschland lag 2019 bei 94,1%. Am pünktlichsten sind die S-Bahnen in Rostock. Die Züge der S-Bahn Dresden sind, bis auf ein paar Ausnahmen an Wochenenden, Feiertagen oder in den Ferien, sehr, sehr Pünktlich.

          LG Ein Eisenbahner

  4. Lukas

    Sehr geehrter VVO,

    wenn man das Thema Verkehrswende diskutiert und damit auch auf die Zukunft des Schienenpersonennahverkehrs im VVO Gebiet schaut, sollte man neben der S-Bahn Dresden vor allem auch den RE50 nicht vergessen. Seit der Inbetriebnahme der Talent 2 Fahrzeuge im Herbst 2012 gab es immer wieder heftige Kritik an den Fahrzeugen, die sich erst in den letzten Jahren aufgrund qualitativer Verbesserungen wie zum Beispiel durch den Einbau von W-LAN legte. Doch noch heute ist ein Großteil der Fahrgäste und einige Verantwortliche nicht zufrieden mit diesen Fahrzeugen, was vor allem auch an den herstellerseitigen Konstruktionsfehlern, wozu das WC im Eingangsbereich zählt, liegt. Zudem kommen die Talentfahrzeuge in den Hauptverkehrszeiten, zumindest vor Corona, regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Da kommt doch die Idee der Twindexx Vario-Triebköpfen für die S-Bahn und vielleicht auch für den RE50 genau richtig. Doch diese großen Fahrzeuge haben auch Nachteile, insbesondere was das „Stärken und Schwächen“ betrifft. Was bringt es, wenn sich speziell in den Abend- und Nachtzeiten des RE50 ca. 20 Menschen auf beispielsweise 4 Doppelstockwagen verteilen? So wird natürliche eine ganze Menge „leere“ Luft transportiert und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste sinkt nachweislich aufgrund der großen Verteilung der Menschen. Abhilfe würde der folgende Ansatz bieten:
    Durch eine Reise bin ich auf ein interessantes Fahrzeugkonzept aufmerksam geworden. Bei dem „Südwest-Express“ werden einstöckige Stadler Flirt Fahrzeuge mit doppelstöckigen Stadler Kiss Fahrzeugen der CFL zusammengekoppelt. So kombiniert man zwei gut laufende Konzepte in einen Zugverband und das könnte ich mir auch beim RE50 gut vorstellen. Während in der Hauptverkehrszeit einstöckige und doppelstöckige Fahrzeuge zusammen verkehren, um ordentliche Kapazitäten an bieten zu können, könnten in schwach nachgefragten Zeiten nur die einstöckigen und in der mittleren Nachfragezeit nur die doppelstöckigen Fahrzeuge verkehren. Für mich klingt das nach einen ausgewogenen, fahrgastorientiertem und vor allem ökonomisch sinnvollem Konzept.
    Ob und inwieweit das nun für den RE50 umsetzbar ist, ist ihre Aufgabe. Ich wollte Ihnen hiermit nur eine Idee an die Hand geben und zeigen, wie man auf stark schwankenden Fahrgastzahlen reagieren könnte. Zudem würde ich mich freuen, wenn die Idee in ihrem Haus konstruktiv diskutiert und in der kommenden Ausschreibung des RE50 berücksichtigt wird. Viele Grüße

    1. Christian Schlemper

      Hallo Lukas, vielen dank für die Beobachtungen. Das geben wir an unsere Kollegen weiter, die sich um die Ausschreibungen kümmern. Derzeit untersuchen wir zahlreiche Varianten und da kommt Ihre Idee zur richtigen Zeit. Wir entscheiden das natürlich nicht alleine, sondern gemeinsam mit dem ZVNL. Viele Grüße

      1. Lukas

        Hallo Herr Schlemper,

        das freut mich natürlich sehr, wenn meine Idee gerade zur richtigen Zeit kommt. Zudem empfinde ich diese Variante auch als sehr vorteilhaft.
        Sollte man trotzdem auf „altbewährte“ Konzepte zurückgreifen müssen, hätte ich noch ein paar wichtige Verbesserungsvorschläge an die betreffenden Fahrzeugarten.

        Bei einem Einsatz von Twindexx Vario-Doppelstockzügen:
        • sollten Gepäckregale für sperrige Koffer ähnlich wie in den IC2 Doppelstockzügen der DB
        installiert werden, da die über den Köpfen befindliche Gepäckablage in 99,9 % der Fälle nicht
        ausreicht.
        • sollte das Beleuchtungskonzept überdacht werden, da nach aktuellem wissenschaftlichem
        Stand die blau-weiße LED-Beleuchtung wie sie bspw. in den Wagen der S-Bahn Dresden
        verbaut ist, negativ auf die Augen der Menschen auswirkt. Besser wäre die warm-weiße
        Beleuchtung, wie sie in den IC2 Zügen sowie bei den Doppelstockwagen der NAH.SH in
        Schleswig-Holstein schon zu finden ist.

        Bei einem Einsatz der bisherigen Talentfahrzeuge:
        • sollte endlich über ein vernünftiges Konzept zur Fahrradbeförderung gedacht werden, wie
        bspw. über Fahrradregale oder speziell eingerichtete Fahrradwagen ähnlich wie es beim
        VBB ist.
        • sollte man die Digitalisierung der Züge weiter vorantreiben. Bis heute fehlen in den Zügen
        große Monitore für Echtzeitinformationen, wie sie in anderen Regionen schon länger zum
        Standard gehören, zum Teil auch als Touchscreen-Variante.

        Ich bin zuversichtlich, dass Sie sich gemeinsam mit dem ZVNL etwas „Schönes“ für den RE50 ausdenken. Zudem würde ich mich freuen, wenn zukünftig über Fortschritte im Ausschreibungsverfahren informiert werden könnte. Ich denke da auch in die Richtung eines solchen Blogs, wo Fahrgäste ihr Lob oder auch ihre konstruktive Kritik kundmachen können.
        In diesem Sinne bis dahin und viele Grüße.

  5. Bernd Böttcher

    Wenn man an die Grenze kommt sollte man mal nach denken die Bahnsteige zu verlängern.
    Die Twindexx der BR445 wären sehr gut.
    Es sollten die Bahnsteige so verlängert werden das 10 Wagen rein passen wo die Züge an die Kapizitätsgrenze kommen.

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