Mehr S-Bahn zwischen Dresden und Meißen

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Viele Jahre wurde an neuen Gleisen gebaut, lange haben VVO und DB Regio verhandelt und ab 3. April 2017 fahren nun mehr Züge zwischen Dresden und Meißen. Dieser Beitrag erläutert einige Hintergründe rund um das neue Angebot.

Von Christian Schlemper

Der 3. April 2017: 5.30 Uhr. Ort: Bahnhof Meißen-Triebischtal. Beginn einer neuen Ära im S-Bahn-Verkehr zwischen Meißen und Dresden. Zum ersten Mal fahren in der Hauptverkehrszeit vier S-Bahnen der S 1 pro Stunde zwischen beiden Städten. Bis zu diesem Start war es ein weiter Weg. Zuerst einmal war ein Ausbau der Infrastruktur nötig. Die Geschichte dazu finden Sie hier. Und dann ging es um das neue Angebot auf den Gleisen und vor allem um das liebe Geld.

Der Öffentliche Personennahverkehr in ganz Deutschland wird von der Bundesregierung derzeit jährlich mit 8,7 Milliarden Euro bezuschusst. Dieses Geld, sogenannte Regionalisierungsmittel, erhalten die Bundesländer. In Sachsen wird ein Großteil an die Verkehrsverbünde weitergereicht, um Züge rollen zu lassen. Damit planten wir also in den vergangenen Jahren das Angebot auf der S-Bahn. Doch diese Mittel unterliegen Schwankungen: Letztendlich entscheiden Sie bei jeder Wahl darüber, wie sich die Gelder für den ÖPNV entwickeln können. So hat 2011 die damalige Staatsregierung die Mittel für die Verbünde gekürzt. Die Gelder wurden stattdessen für Investitionen in den ÖPNV verwendet. Die jetzige Staatsregierung wiederum möchte die Mittel aufstocken. Dazu kommt die Entwicklung auf Bundesebene: Die Verkehrsminister der Länder hatten sich im Jahr 2016 auf eine neue Verteilung der Gelder vom Bund geeinigt. Dieser Verteilschlüssel, genannt der „Kieler Schlüssel“, bedeutet für Sachsen in Zukunft weniger Geld – andere Bundesländer mit mehr Einwohnern und Eisenbahnverkehr erhalten dafür entsprechend mehr Geld. Eine Zeitlang mussten wir sogar darüber diskutieren, einzelne Bahnstrecken stillzulegen, wenn die Kürzungen so gekommen wären wie beschlossen. Jetzt gibt es dank des Engagements des Freistaats einen Kompromiss, weiterhin eine stabile Finanzierung und damit für den VVO Planungssicherheit.

Dies ist wichtig für die S-Bahn, da wir nur mit mehr Geld auch mehr Züge fahren lassen können. Zudem möchten wir das Angebot auch langfristig anbieten und nicht etwa nach zwei Jahren wegen fehlender Mittel wieder Fahrten streichen. Dies war der Hintergrund für lange Verhandlungen mit der DB Regio AG. Diese betreibt bereits das bestehende S-Bahn-Netz. Der Verkehrsvertrag dafür läuft noch bis 2027. Für uns war es wichtig, dass wir jede Verbesserung, die wir erreichen, auch bis zum Ende dieses Vertrags anbieten können.
Zudem lag uns eine einheitliche Qualität am Herzen: Klapptische und Videoüberwachung und natürlich klimatisierte Doppelstockwagen sind die Fahrgäste auf der S-Bahn gewohnt und sollten sie auch in den neuen Zügen nicht missen. Ein Glücksfall für uns: Die DB Regio hatte bereits vor langer Zeit Wagen für die S-Bahn gefördert bekommen. So müssen diese nur umgerüstet werden, was wiederum die Finanzierung einfacher macht. In die Modernisierung der Wagen investiert der VVO rund 2 Millionen Euro.

Ein weiterer Aspekt neben der zeitlichen Betrachtung ist die räumliche Wirkung. Gemeinsam mit der TU Dresden haben wir mehrere Varianten für die Takt-Verdichtung untersucht. Uns war es wichtig, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das bestmögliche Ergebnis für die Region zu erzielen. Mit dem neuen Angebot fahren jetzt in der Hauptverkehrszeit auf den S-Bahn-Achsen nach Dresden-Klotzsche, Pirna, Tharandt und Meißen vier Züge je Stunde.


19 Kommentare

  1. Robin Mähler

    Ich finde die Taktvedichtung eine klasse Sache. Schön, dass es auch gelungen ist, den RE 50 zu jeder Zeit weiter in Radebeul Ost halten zu lassen. Schade nur, dass die Verstärker S-Bahn nur bis 8:32 Uhr Richtung DD verstärkt. Statt schon 5:30 Uhr ab Meißen Triebischtal, wäre mir eine Abfahrt um ca. 9:00 Uhr lieber. Ich weiß nicht, wie viele Fahrgäste schon vor um 6 Uhr die S-Bahn nutzen, denn der Arbeitsbeginn hat sich im Laufe der Zeit nach hinten verschoben. Aber ich kenne viele, die erst später arbeiten gehen oder eine 9-Uhr-Monatskarte haben und sich eher über eine spätere Abfahrt freuen würden.
    Vielleicht lässt sich da bis zum nächsten Fahrplanwechsel etwas machen…

    1. Christian Schlemper

      Hallo Robin Mähler, die Zeiten richten sich nach den derzeitigen Nachfragespitzen. Diese sind in der Tat recht früh, schon vor 9 Uhr flacht die Kurve ab. Wir werde das aber im Auge behalten und entsprechend reagieren. Viele Grüße

  2. Bernd Böttcher

    Hätte da noch ein vorschlag: Wenn die S1 zwischen Dresden Hbf und Meißen Triebischtal zur minute 10 und 40 Fahren würde hätte man ein 10 und 20 Minutentakt wo man eine S1 um 6:47 ab Pirna fahren lassen die ehemalige Taktlage der S2 zur Grenzstraße.
    Wäre super wenn es geprüft werden könnte. Habe mir da schon gedanken gemacht

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd, vielen Dank für den Vorschlag. Wir sehen uns, insbesondere nach der jetzigen Verdichtung des Taktes die Entwicklung der Zahlen an und werden das S-Bahn-Angebot entsprechend weiterentwickeln. Viele Grüße

  3. Robin Mähler

    Ein Freund von mir hatte vor kurzen noch eine gute Idee für den nächsten Fahrplanwechsel: Eine Taktung der Verstärker-S1 auf die S2 Ri. Pirna und in entgegengesetzter Ri. eine Taktung der S2 auf die Verstärker-S1 jeweils am Hbf. Also die jetzigen An- und Abfahrtszeiten am Hbf der Verstärker-S1 mit derS2 tauschen. Dann würde quasi die S1 in der Hauptverkehrszeit im Viertelstundentakt zwischen Pirna und Meißen fahren. Dazu müsste man allerdings die Fahrzeiten der S2 um ca. 10 min. verschieben.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Robin Mähler, gern gebe ich die Idee Ihres Freundes an unsere Fachabteilung weiter. Viele Grüße

  4. M. Dietz

    Erster Test der verdichteten S1 von Meissen nach Dresden. Feststellung, über die Hälfte der ausstehenden Fahrgäste will weiter Richtung Pirna. Geht aber nicht, da man die S2 nicht angepasst hat und somit auf sie reguläre S1 warten darf. Völlig sinnlos für alle anderen hier nur die halbe Stadt zu bedienen. Für solche halben Sachen sich noch so zu feiern ist schon traurig.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Herr Dietz, vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar. Der aktuelle Fahrplan und die Verdichtung bis zum Hauptbahnhof ist der unsicheren Finanzlage geschuldet. gemeinsam mit der TU Dresden haben wir untersucht, wie wir mit beschränkten Mitteln möglichst viel für die Fahrgäste erreichen können. Eine Anpassung der S-Bahn S 2 würde Konsequenzen für sämtliche Anschlüsse in der Sächsischen Schweiz haben, daher haben wir darauf vorerst verzichtet. Wir werten die Fahrgastzahlen aus und werden, insbesondere nach Klärung der Finanzlage, an einer Verbesserung arbeiten. Viele Grüße,

  5. EH

    Hallo VVO,

    ich habe mir mal so meine Gedanken gemacht zu dem Fahrzeugeinsatz auf der S2 und der Verstärker S1. Ich denke, dass es längerfristig sinnvoller wäre auf Lokbespannte Züge zu verzichten und auf 3 teilige Elektrotriebwagen umzustellen. Der Vorteil wäre die Möglichkeit eines glatten 15 Minuten Taktes in der Hauptverkehrszeit zwischen Pirna und Meißen. In dem die S2 mit zwei gekuppelten Triebwagen zwischen Pirna und Dresden-Neustadt fahren würde. Dort würde der Zug getrennt und ein Triebwagen fährt zum Flughafen und der andere nach Meißen. Auf dem Rückweg würden die Triebwagen im Bahnhof Neustadt wieder zusammen gekuppelt werden und weiter nach Pirna fahren. In der Nebenverkehrszeit könnte die S2 dann mit nur einem 3 teiligen Triebwagen fahren. Die BR 442 wäre ideal für die S-Bahn Dresden. Diese Triebwagen sollten dann aber die bessere Bestuhlung haben, wie sie von der S-Bahn-Mitteldeutschtland oder Abelio genutzt wird. Die Saxonia Express Variante ist misslungen! In und um Leipzig ist eine S-Bahn mit der BR 442 möglicht, warum nicht im VVO?

    Beste Grüße

    1. Christian Schlemper

      Hallo Enrico Hertig, vielen Dank für Ihre Vorschläge. Unter anderem aufgrund der staatlichen Förderung wird die DB Regio die Wagen der S-Bahn Dresden noch bis zum Ende des Verkehrsvertrages 2027 einsetzen. Über das zukünftige Material werden wir im Zuge der Neu-Ausschreibung beraten. Gern gebe ich dazu Ihre Ideen an die Fachabteilung weiter. Viele Grüße

  6. Bernd Böttcher

    Enrico Hertig genau mein reden. Wennmal bis bis Bad Schandau mal der 15 Minutentakt geht kann die S2 zusammen mit der S1 bis Bad Schandau verkehren ohne eine zusätzeliche Fahrstraße zu benötigen vorraussetzung wäre ein Doppelstocktriebwagen der BR 445 Mitdrigen einstieg nicht wie im Westen mit Hocheinstieg.

  7. Bernd Böttcher

    Die S3 könnte sogar bis Heidenau verkehren und schon mal für entlasstung sorgen daran denkt ja keiner.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, da jeder zusätzliche Zug Geld kostet, ist dies nicht so einfach. Aber wir denken weiter über eine Verbesserung des Angebotes nach Pirna und Heidenau nach. Viele Grüße,

  8. Bernd Böttcher

    Wiederholt sprachen mich in Heidenau reisende an die ab 22uhr nach Altenberg wollten und musste leider sagen das der letzte zug nach altenberg um 21:18 Heidenau verlassen hat. Die reisenden durften ein Taxi nehemen. Neustadt in sachsen wird genauso wie Altenberg abgehängt wo. MRB hat neue Triebwagen die 160 km/h fahren können fahren aber nach dem Fahrplan der DB Regio mit 120 km/h. So kann man Reisende schön veräpeln wenn man sagt die neuen züge sind besser und schneller. In Tharandt passt der RE3 mit DOPPELTARKTION NICHT IN DEN Bahnhof rein da eine Tür hinter den Bahnsteig liegt. Da sollte mal schnell sich was ändern. Die Politiker bauen ein mist nach dem anderen und die verkehrsverbünde haben die arschkarte was mich als bahnerkind auf die palme bringt.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, Ihre Kritik am Fahrplan der RB 71 und 72 geben wir an unsere Fahrplanabteilung weiter. Unabhängig von der Geschwindigkeit der Züge muss auch die Strecke die höheren Geschwindigkeiten zulassen. Zu den kurzen Bahnsteigen in Tharandt: Das Personal weist gegebenenfalls darauf hin, dass die Fahrgäste einfach die nächste Tür nutzen. Sie können also auf jeden Fall aussteigen. Viele Grüße

  9. Bernd Böttcher

    Ja der Zugführer sagt das auch durch. Könnte da noch was gemacht werden das der Zug da ganz rein paast? Weiß ja das die strecke der Bahn ghört.

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, ein Umbau des Bahnhofs Tharandt ist derzeit nicht geplant. Viele Grüße

  10. Bernd Böttcher

    Wann halten in Klingenberg-Colmnitz die RE Züge wieder?
    Der alte RE war super mit halt in Freital-Deuben,Tharandt,Klingenberg-Colmnitz,Freiberg,Oederan,Flöha,Niederwiesa,Chemnitz Hbf,Hohenstein-Ernstthal,Glauchau,Zwickau Hbf,Reichenbach,Plauen,Hof

    1. Christian Schlemper

      Hallo Bernd Böttcher, um die Fahrzeiten und damit wichtige Anschlüsse in Freiberg, Flöha und Chemnitz zu halten, wurde die Halte-Konzeption des RE angepasst. In Klingenberg-Colmnitz war das Fahrgast-Aufkommen am geringsten, daher ist der Halt entfallen. Die Fahrgäste können alternativ die RB und die S-Bahn nutzen. Viele Grüße

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