Tarif mit Zukunft: Besser mit Bus

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Mit dem BildungsTicket sind sächsische Schüler unschlagbar günstig unterwegs. Seit dem 1. Januar 2023 können auch Freiwilligendienstleistende Zug, Bus und Straßenbahn in den jeweiligen Verbundgebieten für 15 Euro im monatlichen Abo nutzen. Sabine Schröder (SSchr), Mitarbeiterin für Abo-Systeme beim VVO und Johannes Wilhelm (JW), Geschäftsführer des Omnibusbetriebs Siegfried Wilhelm im ZVON, diskutieren den Erfolg des Angebots.

Nils Brabandt/Konzept Konzept

Zur Abstimmung in die Oberlausitz. Sabine Schröder besucht Johannes Wilhelm im Omnibusbetrieb in Großpostwitz.

Was ist der Grund für dieses verbundübergreifende Treffen?
SSchr Mit Beginn des Schuljahres 2022/2023 wurde die Ausgabe der BildungsTickets in den Landkreisen und kreisfreien Städten und im Kreis Bautzen umgestellt. Die Schüler erhalten nun ihre Tickets direkt von den Regionalverkehrsunternehmen.
JW Im ÖPNV sind gemeinsame Lösungen immer die besten. Deshalb stimmen wir uns regelmäßig ab, was und wie wir für die Fahrgäste verbessern können. Außerdem nutzen wir im VVO und ZVON gemeinsame Vertriebswege. Auch das bei den Busunternehmen eingesetzte Abo-Programm wurde durch VVO und ZVON gemeinsam beschafft, um Kosten zu sparen. Sie sehen, wir haben sehr wohl auch über die Verbundgrenzen hinweg eine rege Zusammenarbeit.

Hat das BildungsTicket für Ihre Arbeit etwas verändert?
JW Die Einführung des BildungsTickets hat zu mehr Mobilität der Schüler geführt. Für die Schüler im Landkreis Bautzen wurde auch eine sehr gute Lösung zur Überwindung der Verbundgrenze zwischen VVO und ZVON gefunden, sodass sich die Schüler im gesamten Landkreis bewegen können. Damit hat sich nicht nur der Schulweg, sondern auch das Freizeitverhalten für die Schüler deutlich vereinfacht. Wir betreuen jetzt circa 2.800 Einzelkunden im Abo-Bereich und es kommen täglich viele telefonische und persönliche Anfragen in unserem Verkaufsbüro an. Von den Kunden erhalten wir anschließend sehr oft ein positives Feedback für unsere Arbeit.

Das BildungsTicket hat den Schülern also viel zu bieten. Welche Herausforderungen stehen einer noch größeren Akzeptanz gegenüber?
SSchr Aktuell nutzen etwa 44 Prozent der sächsischen Schüler das Ticket. Aber es lohnt sich nicht für alle. Grundschüler, die oft sehr nahe der Schule wohnen, benötigen das Ticket einfach nicht. Zum anderen hängt die Akzeptanz immer an einem guten Angebot. Wenn es nur den Schulbus gibt, müssen die Kinder in der Freizeit dennoch alles mit dem Elterntaxi oder Fahrrad erledigen. Bei den Freiwilligendienstleistenden lässt sich im Detail noch nicht viel sagen, aber wir sehen schon jetzt einen Zuwachs der Gesamtzahl.

Das BildungsTicket wird immer beliebter. Für 15 Euro können Schüler und Freiwilligendienstleistende durch ihr Verbundgebiet fahren.

Wie finanziert sich das BildungsTicket?
SSchr Das Geld für die Mindererlöse stellt der Freistaat Sachsen zur Verfügung. Jedes Verkehrsunternehmen ist einem Landkreis beziehungsweise einer kreisfreien Stadt, dem Aufgabenträger, zugeordnet und meldet seine Einnahmen an den Verbund. Die resultierenden Mindererlöse werden dann durch deren jeweiligen Aufgabenträger ausgeglichen.

Neben dem BildungsTicket gibt es auch das Deutschlandticket. Wie bewerten Sie diese großzügigen Abo-Modelle?
SSchr Es ist ein tolles Angebot für unsere Kunden. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Finanzierungszusage des Bundes nicht zeitlich beschränkt wäre, sondern wir und die Verkehrsunternehmen eine langfristige Planungssicherheit haben. Und vielleicht gelingt es in der Zukunft auch, die Prozesse, die im Hintergrund ablaufen, zu vereinfachen. Derzeit ist es so, dass alle Beteiligten einen hohen Aufwand haben, damit die Erfassung und Abrechnung gut und zügig funktioniert.
JW Das Deutschlandticket ist eine sehr gute Sache für die Kunden im ÖPNV. Für die Einführung hätten wir uns allerdings gewünscht, dass existenzielle Fragen, wie zum Beispiel die der Einnahmeaufteilung, vorher gelöst werden. Die Begrenzung auf ein lediglich im Abo erwerbbares, elektronisches Ticket ist vermutlich ein Hinderungsgrund für einen noch deutlich höheren Absatz. Hier müssen wir das Kundenverhalten beobachten und gegebenenfalls noch weitere Attraktivitätssteigerungen umsetzen.

Innovationen lassen sich am besten gemeinsam angehen. Neben Monatstickets im Abo-Modell sollen weitere Attraktivitätssteigerungen die Kunden in den ÖPNV locken.

Wie könnten Attraktivitätssteigerungen aussehen?
JW Die Angebote im Bereich PlusBus sind ein guter Schritt. Damit entstehen für die Fahrgäste, teilweise erstmals, Möglichkeiten, auch am Wochenende im ländlichen Raum mobil zu sein. Ich halte es für sinnvoll, zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise Weihnachtsmarkt oder Fasching spezielle ÖPNV-Angebote zu machen. Für die wenig besiedelten Gebiete müssen sich aber auch noch andere Ideen finden, die finanzierbar und wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sind. Da sind beide Verbünde, aber auch wir als Verkehrsunternehmen immer auf der Suche nach Innovation.

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